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Dieses Thema hat 614 Antworten
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 Lions-Stammtisch
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Der Löwe Offline

Nationalspieler


Beiträge: 481

05.03.2003 15:16
#46 RE:Söldner der Lüge Antworten

Aber die wahrscheinlichkeit das ich dummschwätzer mir mein Spatzenhirn rauspople ist nicht so groß wie die eines Anschlages (siehe England)

Und wars nicht auch so das der Irak schon zweimal den Iran überfallen hat, und Raketen aus dem Irak in Israek einschlugen, wer garantiert mir den das das nicht auch mir oder Dir passiert ???

Und wenn das alles so einfach ist, warum geht er dan nicht einfach ins Exil ???

Für sämtliche verdrehungen von tatsachen bitten ich um Deine Sachverständige aufklärung, ich will ja nicht dumm sterben.

Nächste Saison in Bad Nauheim zum Grillen !!!

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

05.03.2003 15:46
#47 RE:Söldner der Lüge Antworten

@derlöwe,

da du einen internet-zugang hast, bist du sicher auch selbst in der lage, dir informationen zu den verschiedenen themen zu besorgen, wenn du es wirklich willst!

hier nur ein link zum nah-ost-konflikt (von neutraler stelle):

http://www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0017/pa00d.htm/

http://www.wissen.swr.de/sf/begleit/bg0017/pa00d.htm

Der Löwe Offline

Nationalspieler


Beiträge: 481

05.03.2003 16:52
#48 RE:Söldner der Lüge Antworten

Danke Dir für die Erweiterung meines Horizontes, da muß ich das mit den Israelis wohl refidieren

Nächste Saison in Bad Nauheim zum Grillen !!!

Normann Offline

NHL-Rookie


Beiträge: 678

09.03.2003 12:36
#49 RE:Söldner der Lüge Antworten

Ich hab im Netz ein (älteres) Interview von Larry Hagman gefunden, in dem er sich über "seinen" Präsidenten äußert.

In Antwort auf:
Larry Hagman über Amerika
Interview von Alexander Gorkow, Stuttgarter Zeitung

AG: Mr.Hagman, in Ihrer Autobiografie "Hello Darlin'"...

LH: Ist Ihnen nicht zu warm? Lassen Sie das Sakko an?

AG: Ja, ich würde das Sakko gerne anlassen. In Ihrer Autobio...

LH: Ich wundere mich, dass Ihnen nicht zu warm ist. Mir wäre es zu
warm.

AG: Gott, Sie haben immer noch diesen Blick, Mr.Hagman. Immer noch zum
Fürchten. Sie haben die Leute damit berauscht wie mit einer Droge.

LH: Es gibt gefährlichere Drogen als mich, da bin ich Spezialist. Aber
"Dallas" war eine Droge, ja. Hypnotisch. Heute könnten Sie das so nicht
mehr drehen. Zu lange Einstellungen, zu lange Dialoge, kein einziger
bewundernswerter Charakter. Die Figuren waren entweder Schwächlinge
oder Höllenhunde. Wunderbar war, wie die Höllenhunde die Schwächlinge
quälten. Heute würden die Leute schnell weiterzappen, fürchte ich. Sie
haben meine Autobiografie gelesen?

AG: Ja, und mich ein bisschen gewundert. Sie waren in den Sechzigern
offenbar gegen den Vietnamkrieg.

LH: Wieso wundert Sie das?

AG: Womöglich hat man ein anderes Bild von Ihnen. Es gab zu Beginn der
Achtzigerjahre zwei amerikanische Schauspieler, die Angst verbreitet
haben: Der eine hieß Reagan, der andere Hagman.

LH: Vor Larry Hagman musste sich noch kaum wer fürchten. Bei Reagan
sieht die Sache anders aus. Die Leute hatten allen Anlass, vor ihm
Angst zu haben.

AG: Wieso?

LH: Reagan war die Quintessenz eines gekauften Politikers. Er gehörte
der Firma General Electric. Ronald Reagan war ein totaler Idiot.

AG: Wie bitte? Redet man so als Amerikaner, noch dazu als Texaner?

LH: Ja, wenn man gefragt wird. Ich werde das nur selten gefragt.

AG: Ich dachte, Sie seien Republikaner.

LH: Jeder hält mich für einen Republikaner. Ich habe eine ganze Dekade
lang einen Ölmulti gespielt, ich trage einen Stetson, wenn ich Lust
dazu habe, und ich bin Texaner. Das ist alles. Die Republikaner
schicken mir heute noch Briefe, ob ich nicht Werbung für sie machen
will. Ich sage denen jedes Mal: "Lasst mich in Ruhe mit eurer
gottverdammten Bullenscheiße!" Die Republikaner waren und sind dafür
verantwortlich, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden.
Sie sind dafür verantwortlich, dass die soziale Balance in Amerika
zerstört ist. Vielleicht können wir auch noch ein bisschen über den
religiösen Fanatismus reden, mit dem sie das Land überziehen?

AG: Selbst viele Demokraten unter Ihren Landsleuten sagen heute, dass
Reagan ein starker Präsident war.

LH: Schauen Sie, er war wirklich ein gefährlicher Mann. Er hatte sich
selbst gehirngewaschen: Er war der Überzeugung, dass sein lifestyle the
absolute one and only way of life sei. Er konnte gut Witze erzählen,
gut reden und die Leute gut einseifen. Dumm war er nicht. Aber er stand
schon als Chef der Schauspielergewerkschaft in Hollywood auf der Seite
der Film- Multis, nicht auf der Seite der Schauspieler. Als Präsident
stand er dann auf der Seite der Strom- und Öl-Multis, nicht auf der
Seite der einfachen Menschen.

AG: Wen haben Sie bisher gewählt?

LH: Keinen Republikaner und keinen Demokraten. Die Demokraten sind nur
das etwas kleinere Übel. Wenn Sie heute etwas werden wollen als
Politiker in Amerika, müssen Sie nur eins haben: Geld. Sie müssen sich
Werbezeit fürs Fernsehen kaufen. Und wer gibt Ihnen das Geld? Und was
müssen Sie ihm dafür versprechen? Lauter dumme Fragen, eh? Das
Zwei-Parteien-System in den USA ist eine Katastrophe.

AG: Gründen Sie doch eine eigene!

LH: Ich bin seit den Sechzigerjahren Mitglied der Peace And Freedom
Party. Die wurde während des Vietnamkriegs gegründet.

AG: Nie davon gehört.

LH: Sie hat nur noch vier Mitglieder. Mich und drei andere. Sollen wir
über den amtierenden Präsidenten auch reden?

AG: Wenn Sie möchten, aber wir sollten gleich auch ...

LH: Während der Idiot Reagan gefährlich, aber nicht eigentlich dumm
war, sieht die Sache bei dem Idioten George W.Bush schon anders aus:
Das Land wird heute von einem Menschen regiert, der gefährlich und dumm
ist. George W. Bush fällt komplett aus dem Rahmen dessen heraus, was
Sie und ich unter einem sozialisierten Menschen verstehen. Er kann
nicht reden. Er kann nicht lesen. Er ist Legastheniker. Und, jetzt
kommt das Beste: Er ist unser Präsident.

AG: Sieht ein Land anders aus, wenn es von einem Texander regiert wird?

LH: Wie meinen Sie das denn?

AG: Sieht es simpler aus?

LH: Sie haben ein falsches Bild von Texas. Texas ist ein dynamischer
Staat, voller kluger Menschen. Fallen Sie nicht auf dieses
Texas-Klischee herein. Die ganze Sippschaft von George W.Bush treibt
sich sowieso eher in Maine herum als in Texas. Er inszeniert dieses
Texas-Ding, weil die Leute es urig finden. Bullshit!

AG: Waren Sie schon so wütend auf Ihr Land, als Sie in den
Fünfzigerjahren erste Bühnenerfahrungen sammelten? Damals hatten es
Ihre farbigen Kollegen noch schwerer als heute.

LH: Als ich in den Fünfzigern durch New York zog, hatten es alle Arten
von Minderheiten in Amerika deswegen schwer, weil man sie schlicht
nicht beachtet hat. Die einzige Minderheit, die sich langsam
durchsetzte und heute mehr oder weniger sozialisiert ist, sind die
Latein- und Südamerikaner. Aber das ist auch kein Wunder. Kalifornien
besteht inzwischen zu 48 Prozent aus Hispanics.

AG: Der beliebteste Name für neugeborene Jungen in Kalifornien ist
heute José.

LH: Wissen Sie, warum? Weil man im Ernstfall aus dem Namen José den
Namen Joe machen kann. Bequem in allen Lebenslagen. Aber um auf Ihre
Frage von eben zurückzukommen: Ich war in den Fünfzigern noch nicht
sehr politisch.

AG: Sie wurden es in den Sechzigern?

LH: Natürlich. Vietnam. Der gewöhnliche Amerikaner kreischte damals
herum: "Jesus! Wir werden die verdammten Schlitzaugen doch nicht in
Dallas einmarschieren lassen?!" Diese Einstellung war von der
Propaganda aus dem Zweiten Weltkrieg übrig geblieben. Da haben sie
Hiroshima und Nagasaki vernichtet. Die Menschen, die dort lebten, waren
im Verständnis der gehirngewaschenen Masse in Amerika keine Menschen.
Eher Tiere. Meine Landsleute standen auf der Straße und sagten: "Hey,
die Schlitzaugen glauben nicht an Jesus, sondern an Shindurindubindu,
fucking hell!" Vietnam war nichts als purer Wahnsinn.

AG: Verteidigungsminister McNamara hat sich später entschuldigt.

LH: Nett von ihm. Da hatte außer ihm natürlich keiner was davon. Das
nutzt unseren toten Jungs nichts mehr, und den vielen Asiaten, die wir
weggeblasen haben, hilft es auch nicht. Und: Was ist mit Henry
Kissinger? Wieso sitzt Kissinger nicht im Knast? Er ist ein
Kriegsverbrecher.

AG: Er versucht sich immerhin auch in der Aussöhnung mit...

LH: Bullshit!

AG: Gibt es Amerikaner, die Ihre Gnade finden?

LH: Hören Sie mal, ich habe viele Freunde, und fast alle sind
Amerikaner. Einer meiner engsten Freunde ist Gore Vidal...

AG: ... der Ihre Ansichten teilt.

LH: Ich liebe ihn. Gore ist ein wunderbarer Schriftsteller und
Essayist. Er ist unbestechlich. Er erkennt Amerika als das, was es ist:
ein wunderbares Land, das von korrupten Politikern und Geldhaien
zerstört wird.

AG: Sind Sie ein Patriot?

LH: Natürlich! Ich meine, was für eine Frage! Sind unsere Politiker
Patrioten? Sind die, die das Land regieren, Patrioten? Schauen Sie,
ich spende Jahr für Jahr einen Haufen Geld für Entwicklungsprojekte,
eines davon fördert alternative Energien. Amerika könnte, wenn die
Politik dies wollte, in fünf oder sechs Jahren zu einem sehr großen
Teil von alternativen Energien versorgt werden. Wir wären nicht mehr
abhängig von den Öl exportierenden Ländern, wir wären dann auch nicht
mehr abhängig von den verfickten Öl-Multis im eigenen Land...

AG: Mr.Hagman, reden wir über lustigere Dinge. Es gibt zwar traurige
Geschichten über Ihre inzwischen überwundene Alkoholsucht. Aber stimmt
es, dass Sie Ihre Frau im Marihuana-Rausch mal fast im Pool ertränkt
hätten?

LH: Das stimmt. Finden Sie das lustig?

AG: Sie lachen doch selbst gerade.

LH: Also gut: Das war in den Sechzigern. Ich wäre später mal besser bei
Marihuana geblieben. Der Alkohol hatte mich fast schon gekillt, so, wie
er meinen Freund Keith Moon von den Who gekillt hat. Ich wollte Maj,
mit der ich seit 48 Jahren sehr glücklich verheiratet bin, damals in
Acapulco übrigens nicht ertränken. Ich rauchte mit ein paar Kollegen
zum ersten Mal Gras. Circa zehn Mal sagte ich: "Ich spür nix, wann
wirkt das Zeug?" Ein Kollege antwortete: "Das fragst du jetzt zum so
und so vielten Mal! Es wirkt schon, Larry!" Ich wieder: "Ich spür nix,
wann wirkt das Zeug?" Darauf er: "Larry, du ruinierst meine Nerven.
Geh vor die Tür, geh an den Pool." Also ging ich an den Pool. Da
schwamm Maj herum. Sie war so schön.

AG: Und dann?

LH: Ich vermute, es hatte Züge von einer Vergewaltigung. Aber es war
lieb gemeint. Ich riss ihr den Bikini runter und wollte
Unterwasser-Sex mit ihr. Ich hatte vergessen, dass man unter Wasser
nicht atmen kann. Sie strampelte rum wie eine Irre. Das war sehr
lustig. Wenn ich die Geschichte heute erzähle, rutscht Maj immer noch
unter den Tisch vor Lachen. Wir haben immer gerne Marihuana geraucht.
Ich habe immer gerne Drogen ausprobiert. Und was Marihuana angeht: Ich
meine, jeder raucht Marihuana, Sie rauchen Marihuana, ich rauche
Marihuana, und wenn es endlich legal wäre, könnten auch die Leute
Marihuana rauchen, die im Krankenhaus liegen und Schmerzen haben.
Marihuana wächst im Garten. Es macht dich nett, es...

AG: ... es ist verboten. Aber Sie müssen nicht wieder über Ihr Land
schimpfen, es ist auch in Deutschland verbo...

LH: Angenommen, es wäre verboten zu vögeln - was würden die Menschen
tun?

AG: Wie?

LH: Sie würden weiter vögeln! Ich meine, man kann nicht ein Kraut
verbieten, das die meisten Menschen in Kalifornien in ihren Gärten
wachsen lassen und das ihnen gut tut. Keiner sollte deswegen ins
Gefängnis gehen. Die Gefängnisse in Amerika sind überfüllt mit
Menschen, die wegen der Illegalität von Marihuana da sitzen. Sie nehmen
dir dein Haus, deine Familie, deinen Job, wenn du mit Marihuana
erwischt wirst.

AG: Leben Sie in einem hysterischen Land?

LH: Was für eine sehr orginelle Frage! Natürlich. Es ging vollends los
mit der Clinton-Lewinsky-Sache. Großes Entertainment der religiösen
Rechten. Da haben sich Typen zum Richter aufgespielt, die es sich
wirklich nicht hätten erlauben dürfen. Und seit dem 11.9. 2001 hat sich
Amerika in Sachen Ideologie und Gehirnwäsche zu einem Land entwickelt,
das einem totalitären Staat in der Prägung der ehemaligen Sowjetunion
sehr ähnelt.

AG: Wie äußert sich das?

LH: Sie nehmen den Leuten fast sämtliche Rechte, die Polizei erhält im
Gegenzug auf eine Art und Weise freie Hand, die vollkommen wahnsinnig
ist. Dann ist die Gedankenkontrolle der religiösen Rechten in Amerika
ein Thema, das ihr Europäer gerne unterschätzt. Sie sind überall
unterwegs, in den Firmen, in den Schulen, überall. Sie mögen mich für
paranoid halten. Aber es gibt viele klar denkenden Menschen in Amerika,
die davor Angst haben, was diese Leute aus unserem Land machen.

AG: Sie haben selbst in zwei großen Filmen mitgespielt, die sich
kritisch mit Ihrem Land befassten - "Primary Colors" und "Nixon".
Solche Filme würden in einem totalitären Land nicht gedreht.

LH: Da haben Sie Recht. Aber Sie vergessen nicht, dass beide Filme in
Amerika nicht wenige gute Kritiken bekamen, aber ziemliche Flops waren.
Unsere Leute wollen keine Filme mehr sehen, in denen der Präsident
schlecht abschneidet.

AG: Viele Ihrer Kollegen wie Richard Gere oder Patrick Duffy, der in
"Dallas" den Bobby spielte, haben sich dem Buddhismus zugewendet. Ist
das eine Flucht vor diesem religiösen Fanatismus?

LH: Nein. Oder: ja, womöglich. Der Buddhismus ist eine friedliche Form
der Weltanschauung. Wir sollten uns darüber nicht lustig machen. Auch
wenn es bei Patrick am "Dallas"-Set immer wieder zu lustigen Ausbrüchen
kam.

AG: Wie sahen die aus?

LH: Er hatte diesen Tick, vom ersten Drehtag an. Unsereiner stritt sich
mit der Crew am Set herum, da hörten wir immer wieder aus einem
Nebenzimmer seltsames Gemurmel: "Rabindranat-rabindradindra-
radindabindra-rabindranat." So in der Art. Da saß Patrick und
meditierte. Unansprechbar. Vollkommen weggetreten. Als er fertig war,
kam er mit seiner netten Art angelaufen. Ich fragte ihn einmal: "Hey
Pat, was war heute das Thema deiner Meditation?" Darauf er, ganz ernst:
"Geld".

AG: Mr. Hagman, glauben Sie, Sie können mit dem, was Sie mir über Ihr
Land gesagt haben, auch in ein paar Stunden noch gut leben?

LH: Reinsten Gewissens. Ich bin über 70 Jahre alt. Zweite Leber. Das
Leben ist großartig. Warum sollte ich Sie voll lügen?

AG: Was machen Sie als Erstes, wenn Sie wieder daheim sind?

LH: Ich fahre nach Santa Monica, wo ich wohne. Zumindest bis jetzt.
Mal sehen, ob Ihr Interview bis dahin reicht. Ich werde es wissen, wenn
plötzlich die Polizei vor der Tür steht. Great fun. Sollte ich nicht
verhaftet werden, geht es dann für zehn Tage nach Texas, wo Maj und ich
Freunde besuchen.

AG: Freuen Sie sich auf Texas?

LH: Halb, halb.

AG: Wieso?

LH: Es gibt zwei Namen, die Maj und ich in Texas nicht in den Mund
nehmen dürfen: Bush und Jesus. Wenn wir davon anfangen, gehen die
Streitereien mit unseren Freunde wieder los. Maj soll sich eher den
Mund zunähen, als über Politik oder Religion zu reden. Letztes Mal, als
wir in Texas waren, haben wir mit unseren Freunden nur noch über die
vielen, vielen reizenden Enkelkinder geredet.

AG: Ist doch auch ganz nett.

LH: Junger Mann, wenn Sie mal so alt sind wie ich, wissen Sie, wie
verdammt langweilig das werden kann.




Normann

So ist das! Erst bekämpft man die Leute, überfällt sie, metzelt sie nieder,
besetzt sie, und dann drehen sie ohne jeden Grund den Spieß um! (Tullius
Redeflus in Asterix, Bd.12)

Hedge Fund Offline

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09.03.2003 22:58
#50 RE:Söldner der Lüge Antworten

Da hier ja immer einige so gegen die USA hetzen, sollten die sich mal diesen Artikel aus der Welt zu Gemüte führen. Es ist illusiorisch, das Ganze vollkommen ohne nationale Interessen bei den anderen Staaten zu sehen. Alle keine Unschuldslämmer...

Ein Veto für Öl und Waffen
Frankreich, Russland und China spielen im UN-Sicherheitsrat die Karte des Friedens. In Wirklichkeit aber geht es ihnen um Geschäfte mit Bagdad in Milliardenhöhe
von Hans Krech und Heimo Schwilk

Es war die Stunde der Heuchler und Moralisten. Nachdem der deutsche Außenminister Joschka Fischer - damals noch Vorsitzender des UN-Sicherheitsrates - am 14. Februar die Debatte über die Arbeit der Waffeninspektoren im Irak eröffnet hatte, meldete sich Frankreichs Außenminister Dominique de Villepin zu Wort.


Mit besorgter Stimme und der Theatralik eines Diplomaten, der die Grande Nation repräsentiert, sagte der graumähnige Franzose an seinen amerikanischen Kontrahenten Colin Powell gewandt: „Wir Franzosen wissen, lieber Kollege, was Freiheitskampf bedeutet - aber wir wissen zugleich, was Krieg und Zerstörung bedeuten!" Frankreich, seinen „ewigen Werten" verpflichtet, glaube daran, dass man gemeinsam eine bessere Welt schaffen könne. Aber, so fuhr Villepin fort, man müsse das mit friedlichen Mitteln tun, nicht mit Krieg.


Nachdem der lang anhaltende Beifall verebbt war, setzte sich der russische Außenminister Igor Iwanow mit der Ankündigung in Szene, Russland werde gegen den amerikanischen Kriegskurs ein Veto einlegen, „um die internationale Stabilität zu wahren". Der chinesische Vertreter im Sicherheitsrat nickte zustimmend.


Was verbindet die drei potenziellen Veto-Mächte, die sich seit Monaten mit den Amerikanern ein so zähes diplomatisches Ringen um Krieg und Abrüstung im Irak liefern? Die Antwort ist so einfach wie banal: Es geht um das große Geschäft.


Sollten sich die USA und Großbritannien durchsetzen, würden Russland, Frankreich und China wirtschaftlich wie strategisch geschwächt werden. Die Führer mehrerer irakischer Oppositionsgruppen verkündeten bereits, sie wollten nach dem Sturz Saddam Husseins keine Wirtschaftskontakte mit Staaten haben, die das Regime des Diktators unterstützt hätten.


Der Irak verfügt mit etwa 100 Milliarden Barrel Erdöl über die zweitgrößten Vorkommen der Welt. Hinzu kommen bedeutende Erdgasvorräte, die bisher kaum ausgebeutet wurden. Allein die Wirtschaftsaufträge zum Wiederaufbau des Irak nach einem Sturz des Diktators werden sich auf etwa 200 Milliarden Dollar belaufen. Wer diese Aufträge erhalten wird, darum wird gegenwärtig im UN-Sicherheitsrat gekämpft.


Russland ist traditionell der wichtigste wirtschaftliche Partner des Irak. Etwa 90 Prozent der Bewaffnung und Ausrüstung der irakischen Streitkräfte wurden aus der ehemaligen Sowjetunion bezogen. Im Februar 1995 unterzeichnete eine irakische Delegation unter Leitung von General Amir Rashid in Moskau einen Vertrag über die Lieferung von 4000 Kampfpanzern T80 U an Bagdad. Die Lieferung soll beginnen, sobald die UN-Sanktionen aufgehoben sind. Es wäre der größte Rüstungsauftrag Russlands seit Ende des Kalten Krieges. Der Irak würde in kürzester Zeit die volle Offensivfähigkeit am Golf wiedererlangen und seine Nachbarstaaten Kuwait und Iran erneut militärisch bedrohen können.


Im März 2001 unterbreitete der irakische Vizepräsident Taha Yassin Ramadan der russischen Regierung in Moskau ein Angebot über Wirtschaftsaufträge im Wert von 21 Milliarden Dollar, sollte sie sich für die Aufhebung der UN-Sanktionen einsetzen. Im August 2002 erst bestätigte die russische Regierung offiziell 70 Wirtschaftsprojekte im Irak, darunter sieben in der Petrochemie und 14 in den Bereichen Verkehr und Kommunikation mit einem Gesamtwert von 40 Milliarden Euro. Die Verträge wurden im September unterzeichnet. Damit wurde der Irak zum wichtigsten russischen Auslandsmarkt überhaupt, zum wichtigsten Devisenbringer und Hoffnungsträger für einen wirtschaftlichen Aufschwung der russischen Industrie. Zudem erwartet Moskau Aufträge beim Wiederaufbau der irakischen Streitkräfte, etwa die Lieferung von Kampfflugzeugen, Luftabwehrraketen und modernen Radaranlagen.

Im August 2002 kam es in Washington zum ersten Kontakt Russlands mit der irakischen Opposition. Andrej Kroschkin von der russischen Botschaft erklärte Intifad Kanbar, dem Leiter des Büros des Irakischen Nationalkongresses INC in Washington, die Politik gegenüber dem Irak werde ausschließlich von wirtschaftlichen Interessen geleitet. Der Irak sei zudem noch mit sechs Milliarden Dollar bei Russland verschuldet.


Anfang dieses Jahres unterzeichneten der Irak und Russland drei weitere Abkommen zur Erschließung von Erdölfeldern im Süden und Westen. Der russische Energiekonzern Lukoil teilte ferner mit, der Irak habe die Entscheidung vom November 2002 aufgehoben, den Kontrakt zur Erschließung des West-Kurna-Ölfeldes zu entziehen. Der Vertrag sei wieder gültig. Bagdad hatte ihn gekündigt, um Russland zur vollen Unterstützung der irakischen Position im Sicherheitsrat zu drängen.


Weißrussland segelt im russischen Fahrwasser. Das Land produziert zwar selbst keine Waffen, verkauft aber russisches Gerät. Minsk ist der sechstgrößte Waffenexpor-teur der Welt. Bekanntlich gelang es der irakischen Luftabwehr seit 1991 nicht, auch nur ein einziges amerikanisches oder britisches Kampfflugzeug über den Flugverbotszonen abzuschießen. weil die Radaranlagen und Luftabwehrraketen veraltet sind.


Im März 2002 wurde bekannt, dass 30 irakische Offiziere in der Militärakademie von Minsk an der modernen russischen Luftabwehrrakete S-300 ausgebildet werden, dem russischen Gegenstück zur Patriot der NATO. Auch die Lieferung dieser S-300 durch Weißrussland an den Irak soll vereinbart sein. Im Januar dieses Jahres wurden auf dem Flughafen von Beirut zwölf Tonnen Funkausrüstungen und Helme für Panzerbesatzungen beschlagnahmt, die aus Weißrussland an den Irak geliefert werden sollten.


Auch Frankreich verhält sich scheinheilig bei seinem Widerstand gegen Washington. Was Außenminister Dominique de Villepin im Weltsicherheitsrat zu erwähnen vergaß: Die irakisch-französischen Wirtschaftsbeziehungen basieren auf den langjährigen und engen Beziehungen von Präsident Jacques Chirac mit Saddam Hussein. Die einzige Auslandsreise in ein westliches Land unternahm der damalige irakische Vizepräsident Saddam 1974 nach Paris zu Chirac. Daraufhin errichtete Frankreich den irakischen Atomreaktor Osirak, der 1981 von israelischen Kampfflugzeugen zerstört wurde. Wesentliche Komponenten des geheimen Atomwaffenprogramms des Irak stammen aus Frankreich.


Im ersten Golfkrieg (1980-1988) des Irak gegen den Nachbarn Iran lieferte Frankreich Mirage-Kampfflugzeuge und die Anti-Schiff-Raketen „Exocet" an Bagdad. Nur dadurch war es dem Irak möglich, der übermächtigen iranischen Marine standzuhalten.


Auch bei Frankreich hat der Irak noch riesige Schulden. Sollte Saddam an der Macht bleiben, winken Paris Rüstungsaufträge in den Bereichen Marine, Luftwaffe und Raketentechnik sowie neben Russland der bedeutendste Anteil der Aufträge zum Wiederaufbau des Irak einschließlich der Erschließung neuer Ölfelder durch den Elf-Konzern.


Auch China, der Dritte im Bund gegen die USA, hat klar definierte wirtschaftliche Interessen, den Sturz von Saddam zu verhindern. Chinesische Firmen und Techniker verkabeln seit Monaten die militärischen Kommunikationseinrichtungen des Irak, insbesondere im Bereich der Luftverteidigung, mit abhörsicheren Glasfaserkabeln. Peking kann Aufträge in den Bereichen Infrastruktur und Marine erwarten, wenn der Diktator an der Macht bleibt. In China wurden bereits zwei Lenkwaffenfregatten für den Irak gebaut, die übergeben werden können, sobald die UN-Sanktionen aufgehoben sind.

Deutschland dagegen betrieb bis 1998 eine klar definierte Politik gegenüber dem irakischen Regime. Sie zielte darauf ab, das Land zu demokratisieren und damit auch die Interessen der deutschen Wirtschaft zu wahren. Hans-Dietrich Genscher war der erste Außenminister eines NATO-Landes, der den irakischen Überfall von 1980 auf den Iran als Aggression brandmarkte. Damals unterstützten Frankreich und auch die USA den Irak noch massiv mit Waffenlieferungen. 1991 forderte Genscher, Saddam vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal zu stellen. Deutsche Unternehmen, die gegen die UN-Sanktionen verstießen, wurden juristisch belangt. Damit sicherte sich Deutschland an der Seite der USA den Hauptanteil der zu erwartenden Aufträge beim Wiederaufbau des Irak sowie die deutsche Versorgung mit Erdöl für die nächsten 50 Jahre.


Nach 1998 allerdings änderte die Regierung Schröder/Fischer die deutsche Irak-Politik in ihrer strategischen Ausrichtung. Sollten sich die USA mit einem Irak-Feldzug durchsetzen, stünde Deutschland draußen vor der Tür, zusammen mit Frankreich, Russland und China. Es hätte keinerlei Anteil an den erwarteten Wirtschaftsaufträgen im Gesamtwert von 200 Milliarden Dollar.



ALLEZ Aiello ALLEZ!

toelzerhuskie Offline

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10.03.2003 00:13
#51 RE:Söldner der Lüge Antworten

@Hedge Funds,

geht das Ganze denn schon wieder los!!!!!!!


Sicherlich haben gerade Frankreich, China und Russland ihre eigenen Interessen und Ziele im Bezug auf den Irak. So wurde von den USA zum Beispiel Frankreich angeboten, dass ihre Erdölverträge mit dem Irak auch nach einer Invasion bestehen bleiben werden. Als Gegenleistung erwarteten sie eine Zustimmung im Sicherheitsrat und die Unterstützung der Politik der USA. Das stand in jeder größeren Zeitschrift und ist kein Geheimnis. Ein ähnliches Angebot ist auch Russland im Hinblick auf den Konflikt in Tschetchenien gemacht worden.

Aber das ist mir doch egal (Auch wenn ich diese Art von Aussenpolitik für falsch und sogar als pervers ansehe)!!!!!!!! Diese Länder unterstützen eine friedliche Entwaffnung im Irak. Das deckt sich mit meiner Einstellung, also hoffe ich, dass sie Erfolg haben werden. Das andere Problem geht um Saddam Hussein, wo ich auch der Meinung bin, dass dieser Mann von der Macht entfernt werden sollte, aber: Dies ist ein innenpolitisches Problem des Irak, welches der Staat und die Bevölkerung selbst lösen müssen. So etwas nennt man Völkerrecht!!!!!!!!!


Und bitte höre mit Sätzen wie "Hetzerei gegen die USA" oder "aufkommender Anti-Amerikanismus" auf. Das ist Unsinn. Ich habe wie auch die meisten anderen Kriegsgegner in Deutschland sicherlich nichts gegen die USA oder deren Bevölkerung. Mich stört nur eine Regierung, welche die UNO lächerlich macht und regiert nach dem Motto: Wer die Macht hat, hat immer Recht. Wie sagte der EX-Präsident Carter in einem Interview: Diese Politik der USA ist beispiellos und wirft uns in Zeiten weit vor der modernen Zivilisation zurück.

Diesem Satz ist nichts beizufügen. Und so lange ein Friedensnobelpreisträger und EX-Präsident der USA eine derartige Meinung vertritt, fühle ich mich weiterhin in guter Gesellschaft und nicht als Amerikafeind. Oder ist Carter vielleicht selbst ein Anti-Amerikaner?????

Also vergiss es, deine Versuche, mich in die Anti-Amerikanische Ecke zu drängen, funktionieren nicht und es beweist eigentlich immer nur, dass du dich nicht sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt. Denn dann wäre dir die Zielsetzung der drei Vetomächte schon viel früher bekannt gewesen.

Servus

Tölzer


Hedge Fund Offline

NHL-Legende


Beiträge: 1.039

10.03.2003 10:54
#52 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Also vergiss es, deine Versuche, mich in die Anti-Amerikanische Ecke zu drängen,
funktionieren nicht und es beweist eigentlich immer nur, dass du dich nicht sehr intensiv
mit dem Thema beschäftigt. Denn dann wäre dir die Zielsetzung der drei Vetomächte schon
viel früher bekannt gewesen.

Ach, du kannst beruhigt sein. Ich habe dich gar nicht versucht in irgendeine Ecke zu drängen. Wir haben zwar zum Teil recht unterschiedliche Ansichten, aber im Grunde auch gleiche Positionen, wie den Schutz der Bevölkerung und Entfernung von Saddam. Nur die Wege sind ein wenig unterschiedlich. Wie du allerdings immer wieder auf die Idee kommst, dass ich mich nicht intensiv mit der Problematik beschäftigt habe, ist mir zwar ziemlich schleierhaft. Aber wenn du meinst...
...aber dann müßtest du wohl auch Joschka Fischer vorhalten, dass er sich nicht intensiv mit dem Problem beschäftigt hat.

Und zum Thema Anti-Amerkanismus: prankster hat für mich ohne Zweifel hier im Thread schon Amerikahetze verbreitet.


ALLEZ Aiello ALLEZ!

Der Löwe Offline

Nationalspieler


Beiträge: 481

10.03.2003 11:05
#53 RE:Söldner der Lüge Antworten

@toelzerhuskie
"Mich stört nur eine Regierung, welche die UNO lächerlich macht und regiert nach dem Motto: Wer die Macht hat, hat immer Recht. Wie sagte der EX-Präsident Carter in einem Interview: Diese Politik der USA ist beispiellos und wirft uns in Zeiten weit vor der modernen Zivilisation zurück."

In diesem Punkt stimme ich mit Dir voll und ganz überein.

"Das andere Problem geht um Saddam Hussein, wo ich auch der Meinung bin, dass dieser Mann von der Macht entfernt werden sollte, aber: Dies ist ein innenpolitisches Problem des Irak, welches der Staat und die Bevölkerung selbst lösen müssen. So etwas nennt man Völkerrecht!!!!!!!!!"

Aber hier sind wir leider Grundverschiedener Meinung, ich sehe Saddam sehr wohl auch als ein Aussenpolitisches Problem, und ein Volksrecht gibt es im Irak nicht.


Nächste Saison in Bad Nauheim zum Grillen !!!

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

10.03.2003 14:40
#54 RE:Söldner der Lüge Antworten

@hedge fund,

deine unterstellung, ich würde gegen amerika hetzen, möchte ich doch bitte belegt haben (und dabei nichts aus dem zusammenhang reißen)!

ich spreche mich gegen die momentane politik der amerikanischen führung aus (und da wir ja noch in einer demokratie leben, ist dies auch legitim - während in amerika menschen mit antikriegsäußerungen mittlerweile mit repressionen in der eigenen bevölkerung zu rechnen haben) und habe diese hinreichend begründet (und stehe damit keineswegs alleine da - nicht mal hier im forum).

ich habe nie behauptet, dass die politik anderer länder keine eigennützigen hintergründe hat. aber die anderen staaten gehen nicht mit waffengewalt gegen unschuldige vor und das noch unter dem deckmäntelchen "befreiung des irakischen volkes". wir haben in der ganzen welt diktaturen, die ebenso ihr volk mehr oder weniger unterdrücken, die der momentanen amerikanischen führung aber am a... vorbei gehen, die haben nämlich blöderweise keine rohstoffe (oder zu wenig) oder sie sind selbst zu mächtig, so dass keine chance auf erfolg einer militärischen intervention besteht (china). und dass ist es, was mich vor allem stört!!!! abgesehen davon, lehne ich militärische aktionen (die nicht der eigenen verteidigung dienen) ab! nach der erfahrung von zwei weltkriegen und etlichen scharmützeln auf der ganzen welt, sollte die menschheit doch zivilisierter sein und etwas dazugelernt haben!!!!

Ex-Exil-Lion Offline

Tim Thaler


Beiträge: 1.972

10.03.2003 16:41
#55 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
So so, na ja schade, dass du mich nicht näher kennst, aber dann würdest du so einen Blödsinn wohl nicht verzapfen. Ich habe mich sehr tief mit der Materie befasst und sicherlich auch mehr als du und der einzigste der hier ein wenig unter der Medienpropaganda zu leiden scheint, bist wohl eher du. Denn der Konsens in Deutschland ist ja eindeutig gegen jede Art von Krieg. Da fehlt mir ehrlich gesagt manchmal der Weitblick. Mir ist auch vieles suspekt, was die Bushregierung so betreibt (sei es z.B. in punkto nicht vorhandener Umweltpolitik) und auch den Wahlprozess in den USA finde ich sehr unglücklch. Ich habe auch das Buch "Stupid white man" gelesen, aber ich denke, dass es zur Zeit keine andere Möglichkeit, außer einer Kriegsdrohhung, dem Regime von Saddam beizukommen. Bisher haben alle anderen Mittel versagt. Sicherlich kann man Hitlers Regime nicht vollständig mit Saddams Regime vergleichen, aber es sind eindeutig Paralleln zu erkennen und zu langes Zögern und Wegschauen kann auch in einer Katastrophe enden

Mit. Ich bin auch nicht mainstream, und als Fundi ungeeignet.


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Tim Thaler


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10.03.2003 17:19
#56 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Dies ist für mich in keinster Weise vergleichbar. Es gab in beiden Ländern vorher schon demokratische Strukturen, dann gab es eine Zeit des Faschismus, von der wir glücklicherweise befreit wurden und man hat die alten demokratischen Strukturen unter Beobachtung der Alliierten wieder aufgebaut. Außerdem meinte ich, da habe ich mich wohl ein wenig falsch ausgedrückt, in der jüngeren Vergangenheit.

Darüber kann ich nur lachen. Die Alliierrten haben uns von faschistischen Strukturen befreit. Jaja, es waren ja nur Hitler und einige andere Frontmänner... .

Wer nicht versteht und verinnerlicht, dass unsere Omas und Opas, zum Teil unsere Eltern mittelbar oder unmittelbar Teil der ganzen Maschinerie waren, der tut mir leid. In einer Zeit, wo wieder die Angst um die eigene Existenz grassiert, erstehen viele Führer wieder auf.


In Antwort auf:

Ich auch nicht, aber wie von mir gesagt, habe ich eher die Befüruchtung, dass ein neuer von den USA unterstützter Despot an die Macht gelangt und das hat zur Folge, dass sich für die Bevölkerung nicht viel ändern wird.



Dann lassen wir es lieber, wie es ist, es könnte ja noch schlimmer kommen....

In Antwort auf:

Wie oben geschrieben, habe ich meine berechtigten Zweifel an dieser Besserung. Gehen wir in die Vergangenheit: Die Resolutionen, welche nichts ausser ca. 500.000 toten Irakern gebracht haben, müsstem derart verändert werden, dass sie den wahren Übeltäter treffen und nicht die normale Bevölkerung. Hussein lebt jedoch weiter in Saus und Braus und tätigt auch wie immer seine Geschäfte, an denen viele Firmen aus den großen Industrieländern gerne mitverdienen. Der Bevölkerung des Iraks wäre viel geholfen, wenn man intelligente Resolutionen trifft, die das Leben der Menschen schützen und den Diktatur treffen. Man hilft diesen Menschen nicht, in dem man sie in einen Krieg treibt, wo viele Menschen geopfert werden.

Wo wir gerade beim Opfern wären: Wieviele Opfer in der irakischen Bevölkerung akzeptierst du, um die neue unsichere Zukunft für diese Menschen zu schaffen: 100, 1000, 100000 oder gar 500000????


Ja, das Leben ist ungerecht. Wieder werden Tausende Unschuldiger sterben, aber es werden Hunderttausende wider leben können. Hast Du Dir mal in letzter Zeit den linksliberalen Stern reingezogen. Frage doch mal Exil-Irakis nach dem Schicksal ihrer daheimgebliebenen Verwandten und kläre bei der Gelegenheit ihre Haltung zur Kriegsfrage....

Wieviele Opfer darf man akzeptieren? Die Antwort ist einfach, ein Opfer ist eines zuviel...

Aber auch wenn es zynisch klingt: Nehme ich heute eine Zahl x in Kauf, um 2x zu retten, so ist dies ein gutes Verhältnis.


In Antwort auf:

Wieder falsch. Die Resolutionen nach dem ersten Irakkrieg haben weit mehr Waffen vernichtet als der Irakkrieg selber. Und die UNO-Sicherheitsexperten sind in 1998 selber gegangen, weil die USA damals schon einen Angriffsschlag vorbereitet haben. Der Irak hat sie keinesfalls aus dem Land gejagt. Klar, hat man sie nachher nicht mehr hereingelassen. Aber warum: Weil die Sicherheitsexperten sich haben für die USA missbrauchen lassen, um die späteren Luftschläge vorzubereiten. Aus Sicht der irakischen Regierung nicht gerade unverständlich, wenn auch aus meiner Sicht sehr traurig. Hätte man damals weitergemacht, wäre man heute viel weiter in der Vernichtung der Waffen.

Also, weiter unten setzt Du auf die Inspekteure, die sich an dieser Stelle als Vasallen der USA geoutet haben?


In Antwort auf:
t schnell sehr polemisch!!!!!!!!!!!!!! Oder steht das in dem neuesten Rundbrief der CDU/CSU als Gegenargument zu friedliebenden Menschen wie ich. Ich kann mich nämlich nicht daran erinnern, den Irak als friedliebend zu bezeichnen. Obwohl ich den Großteil der Bevölkerung, wie auch Deutsche, Amerikaner oder Briten als friedliebend bezeichnen möchte. Aber ich gehe mal davon aus, du meinst die Regierung. Na gut: Klar ist Hussein ein schlimmer Despot und sehr menschenverachtend. Auch ist er machtbesessen und bereit zu allem. Aber nun: Welche Gefahr geht zur Zeit von ihm aus: Sehr wenig bis gar keine. Er hat eine nach dem Golfkrieg und zwölf Jahren Sanktionen sehr schlecht ausgerüstete und motivierte Armee, die überhaupt nicht in der Lage ist, andere Länder zu bedrohen.

Die UN ist doch eine Lachnummer, sie hat sich seit Jahren vom Irak vorführen lassen. Die Philosophie ist doch denkbar simpel: Wer ständig droht, ohne Konsequenzen zu ziehen, den respektiert man nicht, dass haben schon meine Kinder gepeilt.

Polemisch bist doch Du, der im "schönen Bayern" zynisch auf die USA-loyale CDU/CSU verweist.

Es ist einfach, in einem freiheitlich-demokratischen Rechtssaat die Pazifisten-Fahne zu schwenken. Muss erst eine Boing im Messeturm einschlagen, bis die amerikanischen Ängste plausibler werden?

Hussein verlässt sich alleine auf die mögliche Spaltung der Welt in Morgen- und Abendland. In der Tat: Bei diesem Krieg wird es nur Verlierer geben. Die grösste Niederlage aber ist der anhaltende Zustand.

[qote]Da gibt es einige gefährlichere Länder, wie z.B. Nordkorea, Pakistan oder auch Indien. Hier hält man aber aus den altbekannten Gründen still.

Auch gibt es in der ganzen Welt bestimmt 50 weitere, vorwiegend in Afrika, Südostasien oder dem nahen Osten, Diktatoren und Despoten, welche ihre Bevölkerung unterdrücken. Willst du gegen alle einen Krieg führen? Dann viel Spass. Wir sollten einmal aufhören, unsere Kultur und unser Verständnis vom Zusammenleben und der Demokratie wie auch Staatsform auf andere Kulturkreise zu übertragen. Das funktioniert einfach nicht. Dafür sind die Unterschiede in der Auffassung zu groß.


Islam und Christentum können nicht miteinander, sehr wohl aber nebeneinander. Spätetens aber am 11.September wurde jegliche friedliche Koexistenz aufgekündigt.
[qoute]Nach den von dir gemachten Ausführungen bezweifle ich dies stark oder die zweite Variante, du hast dich nur einseitig mit dem Konflikt befasst.


Weil man sonst unbedingt mit Dir übereinstimmen muss?

In Antwort auf:
Und dies ist auch gut so und richtig. Denn auch lt. UN-Charta darf es keine militärischen Sanktionen geben, da diese nur zur eigenen Verteidigung oder bei unmittelbarer Bedrohung angewandt werden dürfen und diese liegt nun einmal nicht vor.

Der verantwortliche Beamt im Entführungsfall Jakob Metzler hat sich völlig ausserhalb der Dienstvorschriften bewegt. So sehr, dass ich ihm dafür gerne die Hand schütteln möchte, ifyaknowwaddamean?

In Antwort auf:
Niemand schaut weg!!!!!!!!!! Die UN hat Inspektoren, die ihre Arbeit machen und alleine durch ihre Anwesenheit ist der Irak eingeschränkt in der Handlungsfähigkeit. Die ersten Erfolge sind da, das ist Fakt und wenn sie fünf Jahre bis zur vollständigen Abrüstung brauchen, bin ich auch zufrieden. Man könnte ihnen einfach die Zeit geben, die sie brauchen, um ihre Arbeit zu tun. Auf der anderen Seite sollte die UN dann noch überlegen, wie man die Resolutionen intelligenter gestaltet, um auch der Bevölkerung bezüglich Versorgung und Gesundheit zu helfen. Dann wäre vielen Menschen das Leben gerettet.

Die Ablösung Husseins, auch ich wäre darüber glücklich, ist eine Sache der Iraker, insbesondere der Opposition und nicht eine Sache des Völkerrechts, denn dann müssten wir in mindestens 50 Ländern gleichzeitig Krieg aus dem selben Grund führen und wo das hinführen würde, möchte ich mir lieber nicht vorstellen.



...und Friede auf Erden...

Das ist für mich völlig unrealistisch. Der Mensch ist ein hochintelligentes Tier, nicht mehr. Wir befürworter des Darwin-Prinzips sind lediglich besser gestylt.




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mick Offline

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10.03.2003 17:20
#57 RE:Söldner der Lüge Antworten

Dirty Tricks (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,239340,00.html )

Wenn Kriegsgründe erfunden werden

Von Jochen Bölsche

Von der Emser Depesche bis zum Hufeisenplan, vom erstunkenen Tonkin-Zwischenfall bis zum erlogenen Babymord - immer wieder haben auch deutsche und amerikanische Militärs mit Propagandalügen und Provokationen die Kriegslust im eigenen Land zu schüren versucht. Derzeit, argwöhnen US-Friedenskämpfer, arbeiteten Bushs Psychokrieger an einem "neuen Tonkin".

Wann immer es der Regierung Bush in den letzten Monaten darum ging, die Welt von der Notwendigkeit eines US-Angriffskriegs auf den Irak zu überzeugen, zählte ein General namens Hussein Kamal zu den meistzitierten Zeugen.

Erst nachdem der Ex-Schwiegersohn Saddam Husseins, oberster Chef der irakischen Rüstungsindustrie, 1995 nach Jordanien übergelaufen sei und ausgepackt habe, sei das Regime in Bagdad bereit gewesen, "die Produktion von über 30 000 Litern Anthrax und anderer tödlicher B-Waffen-Stoffe zuzugeben", sagte Präsident George W. Bush im Oktober vorigen Jahres in einer Rede, um die Heimtücke des Schurkenstaates zu belegen.

Bushs Außenminister Colin Powell zitierte den Überläufer noch am 5. Februar dieses Jahres vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, um Saddams Gier nach Massenvernichtungsmitteln und die Unfähigkeit der UN-Inspektoren anzuprangern.

"Der Irak benötigte Jahre, um endlich die Produktion von vier Tonnen des tödlichen Nervengases VX zuzugeben," erklärte Powell. "Das Eingeständnis erfolgte erst, nachdem den Inspektoren auf Grund der Aussagen des geflohenen Kamal Hussein bestimmte Dokumente in die Hände gefallen waren."

Kriegspropaganda mit verfälschten Aussagen

Seit einigen Tagen ist alles ganz anders: Bushs Kronzeuge Kamal - der sofort ermordet wurde, nachdem der Tyrann von Bagdad ihn 1996 mit einer Amnestiegarantie zur Rückkehr in den Irak gelockt hatte - dient jetzt der US-Friedensbewegung als Kronzeuge gegen Bush.

Die Art und Weise, wie Washington in den letzten Wochen mit Kamals Aussagen operiert hat, verstärkt amerikanische Pazifisten und Publizisten in dem Verdacht, die Falken im Weißen Haus wollten das amerikanische Volk mit gezielt verbreiteten Falschinformationen in den Krieg gegen den Irak hetzen.

Denn wie das US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" in seiner Ausgabe vom 3. März enthüllte, haben die Bushisten, die sich so lange und so gern auf Kamal beriefen, einen wesentlichen Teil der Aussagen unterschlagen, die der Überläufer 1995 in einer dreistündigen Unterredung mit den UN-Inspektoren gemacht hat.

"Ich habe die Zerstörung aller chemischen Waffen befohlen. Alle Waffen - biologische, chemische, Trägerraketen, nukleare - sind zerstört worden," hatte Kamal in seiner Vernehmung erklärt.

Lediglich Bauanleitungen seien archiviert worden, heisst es in dem von "Newsweek" überprüften und zitierten Protokoll, das, wie das Magazin herausfand, auch amerikanischen und britischen Geheimdiensten zuging (und dessen voller Wortlaut neuerdings auch im Internet verfügbar ist).


Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst

Dass die US-Regierung die Kernaussage ihres Starzeugen jahrelang der Öffentlichkeit verschwiegen habe, sei der dickste Hund ("the biggest story") seit Beginn der Irakkrise, kommentieren die Medienwächter von der New Yorker Bürgerinitiative FAIR ("Fairness & Accuracy In Reporting").

Die Wahrheit stirbt im Krieg zuerst - diese alte Erfahrung sehen die amerikanischen Bush-Kritiker durch die regierungsamtliche Verfälschung der Kamal-Aussage aufs Neue bestätigt.

Warum die Hardliner in Washington zu derartigen Methoden greifen, ist nachvollziehbar.

Schon vor mehr als zehn Jahren ersehnten die Bushisten und ihre Vordenker in den rechten, von Öl- und Rüstungskonzernen geförderten "Think Tanks" eine auf Dauer angelegte Vorherrschaft Amerikas über Eurasien - insbesondere mehr Einfluss auf Afghanistan ("das Cockpit Asiens") und einen Zugriff auf den Irak, eines der rohstoffreichsten Länder der Erde (siehe Folge 8 dieser Serie).

Spekulationen über ein "neues Pearl Harbour"

Um für solche kühnen Unternehmungen gerüstet zu sein, verlangte die Lobby-Organisation "Project for the New American Century" (PNAC) eine -zig Milliarden Dollar teure "Transformation" des US-Militärs in eine jederzeit global einsetzbare Kriegsmaschinerie. "Dieser Umwandlungsprozess wird wahrscheinlich sehr lange dauern," hiess es noch in einem PNAC-Strategiepapier aus dem September 2000, "es sei denn, ein katastrophales Ereignis tritt ein, das als Katalysator dient - wie ein neues Pearl Habour".

Kurz nachdem das katastrophale Ereignis - am 11. September 2001 - eingetreten war, sah Bush den rechten Zeitpunkt gekommen. Wenig später ordnete er per geheimem Exekutivbefehl nicht nur den Kreuzzug gegen den Terrorismus an, sondern auch die Erarbeitung von Plänen für einen Irakkrieg.

Doch der Präsident hatte die Rechnung ohne die Öffentlichkeit gemacht. So bereitwillig die Amerikaner und ihre Verbündeten dem Präsidenten in seinen "Krieg gegen den Terrorismus" und auch in den Feldzug gegen das afghanische Taliban-Regime folgten, so schwierig war es, dem gemeinen Volk rasch auch noch die Notwendigkeit eines so genannten Präventivkrieges gegen den Irak zu vermitteln.

Die CIA widerlegt das Weiße Haus

Erst vorigen Monat beklagte der New Yorker Kolumnist (und Kriegsbefürworter) Thomas Friedman: "Ich hatte seit September die Möglichkeit, durch das ganze Land zu reisen, und kann mit Bestimmtheit sagen, dass ich nicht ein einziges Mal zu einem Publikum sprach, von dem ich den Eindruck hatte, es sei mehrheitlich für den Krieg im Irak."

Dabei hatte Bushs Regierung schon gleich nach dem 11. September 2001 die Version verbreitet, die Attentäter seien vom Irak unterstützt worden. Viele Amerikaner allerdings glaubten offenbar eher der CIA, die Bush öffentlich widersprach: Sie sehe keine Verbindung zwischen Saddam und der al-Qaida.

Ebenso rasch platzte die von Washington zunächst lancierte Lesart, die mysteriösen Anthrax-Briefe, die im Herbst 2001 für Panik in der Bevölkerung sorgten, seien im Auftrage des Irak verschickt worden. FBI-Ermittler stießen auf eine ganz andere Spur: Die tödlichen Sporen stammten mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einem US-Militärlabor.

Ein Phantom, das "Mr. Anthrax" heißt

Ins Visier geriet ein amerikanischer Biowissenschaftler mit intensiven CIA-Kontakten und einem denkbar dubiosen Lebenslauf: Angehöriger einer Killertruppe im einstigen Rassistenstaat Rhodesien; Bioforscher im Auftrag des südafrikanischen Apartheid-Regimes; ABC-Waffen-Inspektor der UN im Irak; Wissenschaftler in der Biowaffen-Forschung; Reisender in geheimer US-Mission in Zentralasien.

Als die Ermittlungen voriges Jahr ins Stocken zu geraten schienen, kommentierte die "New York Times": Wäre der Mann ein Araber, "wäre er längst verhaftet. Aber es handelt sich um einen blauäugigen Amerikaner mit Verbindung zum Pentagon, zur CIA und zum Bioabwehrprogramm."

Und auch die Hamburger "Zeit" argwöhnte: "Gibt es eine Macht, die will, dass Mr. Anthrax ein Phantom bleibt?... Haben die Anthrax-Anschläge etwas mit den Geheimnissen der amerikanischen Regierung zu tun?"


Während es um den mysteriösen "Mr. Anthrax" seltsam still wurde, widmeten sich Washingtons Kriegspropagandisten um so intensiver der Behauptung, Saddam Hussein bedrohe die USA mit Massenvernichtungswaffen.

Peinlich, dass die CIA dieser Behauptung schon im Juli vorigen Jahres widersprach: Der Irak stelle in "absehbarer Zukunft" keine unmittelbare Gefahr für die Vereinigten Staaten dar; ein Irakkrieg jedoch würde das Terror-Risiko in den USA deutlich erhöhen - Einschätzungen, mit denen sich der Geheimdienst prompt den Zorn der Washingtoner Bellizisten zuzog.

Rüge vom "Fürsten der Finsternis"

Oberfalke und PNAC-Stratege Richard Perle - der stolz darauf ist, von Friedenskämpfern als "Fürst der Finsternis" tituliert zu werden - rügte die CIA, sie versage in Sachen Irak. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld schäumte, der Dienst sei "kurzsichtig".

Letzte Woche kündigte Rumsfeld den Aufbau einer weiteren Agententruppe an - zusätzlich zu den bereits bestehenden 14 US-Geheimdiensten. Die Spione sollen dem Verteidigungsministerium direkt unterstellt sein und "origineller" denken als die CIA.

Obwohl Rumsfeld wiederholt die Vorlage von "Beweisen" für das Vorhandensein von ABC-Waffen angekündigt hat, fehlt es bis heute an völkerrechtlich relevanten Belegen, die einen Krieg rechtfertigen würden. In der Bundesrepublik, kommentierte die "Süddeutsche Zeitung", würde Material von solcher Qualität nicht einmal zur Verurteilung eines "Hühnerdiebes" ausreichen.

Rumsfeld reagierte auf Kritik schlicht mit der Forderung nach einer Umkehr der Beweislast ("Das Fehlen von Beweisen ist kein Beweis für das Fehlen von Massenvernichtungswaffen") - und, ebenso wie Bush, mit sinnentstellend verkürzten Zitaten aus dem Kamal-Protokoll.

Als der Trick vorige Woche aufflog, war in der US-Friedensbewegung sogleich von einem "neuen Tonkin" die Rede.

Am Beginn des Vietnamkriegs stand eine Lüge

Tonkin - dieser Terminus steht nicht nur in den USA für den Versuch, den Gegner durch Intrigen zum Erstschlag zu provozieren, einen Angriffskrieg als Verteidigung zu tarnen oder das eigene Volk durch Gräuelmärchen in eine Schlacht zu hetzen.

Die Tonkin-Lüge stand am Beginn des Vietnamkrieges in Südostasien: Berichte über einen (in Wahrheit nicht erfolgten) Überfall nordvietnamesischer Boote auf den US-Zerstörer "Maddox" im Golf von Tonkin nahm US-Präsident Lyndon B. Johnson 1964 zum Anlass, sich vom Kongress zu einer lange vorbereiteten Serie von Luftschlägen gegen Vietnam ermächtigen zu lassen - Auftakt zu einer mörderischen Völkerschlacht.

Kriegslisten dieser Art sind so alt wie die Menschheit. Und sie sind auch den Deutschen auf verhängnisvolle Weise vertraut.

Otto von Bismarck veröffentlichte 1870 die berüchtigte "Emser Depesche" von Kaiser Wilhelm I. in einer derart verstümmelten Fassung, dass Napoleon III. sie als Kriegserklärung wertete - und selber eine abgab. Adolf Hitler liess 1939 einen polnischen Angriff auf den Reichssender Gleiwitz vortäuschen, um mitteilen zu können: "Seit 5.45 Uhr wird zurückgeschossen." Rudolf Scharping förderte 1999 die Kosovo-Kriegsbereitschaft der Deutschen mit einem angeblichen "Hufeisenplan", der sich als Fälschung erwies.

"Die Geheimoperation war eine exzellente Idee"

Die Amerikaner stehen den Deutschen auf diesem Gebiet kaum nach. So bekennt der einstige CIA-Direktor Robert Gates in seinen Memoiren, dass die USA im Sommer 1979 mit verdeckten Hilfsaktionen für islamische Untergrundkämpfer die Sowjetunion zur Intervention in Afghanistan provoziert zu haben.

"Die Geheimoperation war eine exzellente Idee," erklärte der vormalige US-Sicherheitsberater Zbigniew Brzezinski Jahre später in einem Interview, "sie hatte den Effekt, die Russen in die afghanische Falle zu locken." Als die Sowjets einmarschiert seien, so Brzezinski im "Nouvel Observateur", habe er an Präsident Carter geschrieben, nun hätten auch die Russen "ihren Vietnamkrieg". Und tatsächlich habe der zermürbende Krieg am Ende "zur Demoralisierung und zum Zusammenbruch" des Sowjetreichs geführt.

Gut zehn Jahre nach der "covert operation" in Afghanistan - bei der die Amerikaner die Vorläufer der WTC-Terroristen bewaffneten, munitionierten und instrumentalisierten - begleiteten schmutzige Propagandatricks den Golfkrieg.

Babymorde, von PR-Agenten erfunden

Unvergessen sind in den USA die TV-Bilder von jener angeblichen Krankenschwester, die unter Tränen irakische Soldaten beschuldigte, Brutkästen geöffnet und kuweitische Säuglinge massakriert zu haben. Die Lüge hatte kurze Beine: Eine PR-Agentur aus dem Umfeld der neokonservativen Think Tanks hatte die Geschichte frei erfunden. In die Rolle der Krankenschwester war die Tochter des Botschafters von Kuweit geschlüpft.

Als Washington nach den WTC-Anschlägen erklärte, im Krieg gegen den Terrorismus sei die Waffe der Desinformation unverzichtbar, stieg in einem Teil der US-Gesellschaft das Misstrauen in die Regierenden schlagartig an.

Bei manchem wuchsen sich die Zweifel an der Wahrheitstreue Washingtons zur Paranoia aus. Andere Bürger hingegen legen seither eine bemerkenswerte Wachsamkeit an den Tag.

Besonders mißtrauisch beäugen US-Friedensfreunde seit langem das wohl merkwürdigste territoriale Konstrukt der Welt: die beiden Flugverbotszonen im Norden und im Süden des Irak. Dort, wo amerikanische und britische Maschinen unablässig irakisches Territorium kontrollieren und bombardieren, so fürchteten sie schon voriges Jahr, könnten sich schon bald Dinge ereignen, die den Persischen Golf in einen "Tonkin-Golf" verwandeln würden.

Die "no-fly zones" (NFZ) waren nach dem Golfkrieg, 1991 und 1992, von den westlichen Siegermächten eingerichtet worden. Weil keine eindeutige Zustimmung der Uno vorlag, nannte die "New York Times" diesen Schritt "vermutlich unklug und womöglich illegal".

"Hidden trigger" in der Wüste?

Die Zweifel von damals sind vergessen, Amerikaner und Briten reklamieren für ihre Präsenz in den NFZ mittlerweile das Gewohnheitsrecht. US-Oppositionsblätter wie das liberale Magazin "The American Prospect" wiederum sehen in den verbotenen Wüstenzonen einen verborgenen Auslöser ("hidden trigger") für einen möglichen Krieg.

Schüsse auf amerikanische oder britische Militärmaschinen in den NFZ, betonen Washingtoner Regierungssprecher, würden als ernsthafte Verletzung einschlägiger UN-Resolutionen angesehen - als casus belli. Damit aber, argumentiert "Prospect"-Kolumnist Robert Dreyfuss, hätten es die auf einen Angriff erpichten amerikanischen Strategen in der Hand, jederzeit einen Kriegsanlass zu provozieren oder vorzutäuschen. Absurd?

Kaum einem gesunden Hirn würden solche Gedanken entspringen - wenn, ja wenn nicht Pläne für eine Geheimoperation mit dem Codenamen "Northwoods" existierten, die 1962 entwickelt wurden und gespenstische Einblicke in die menschenverachtende Mentalität der höchsten US-Militärs jener Jahre geben.

"Wir könnten ein US-Schiff in die Luft jagen"

Die "Top secret" gestempelten Dokumente, die mittlerweile auf Grund eines Kongressbeschlusses freigegeben und voriges Jahr erstmals veröffentlicht worden sind, hatte der Chef des Vereinigten Generalstabs in Washington, General Lyman L. Lemnitzer, ausarbeiten lassen. Darin aufgeführt sind seitenweise Vorschläge für dirty tricks, von deren Ausführung sich die Militärs öffentliche Unterstützung für einen zeitweise geplanten US-Überfall auf das kommunistische Kuba versprachen.

Die schriftlich niedergelegten Ideen der Top-Militärs reichen von der Ermordung unschuldiger Bewohner von US-Städten bis hin zu vorgetäuschten Anschlägen auf US-Kriegsschiffe, die Fidel Castro in die Schuhe geschoben werden sollten: "Wir könnten ein US-Schiff in der Bucht von Guantanamo in die Luft jagen und Kuba beschuldigen," heisst es da, und: "Die Listen der Todesopfer in den US-Zeitungen würden eine hilfreiche Welle nationaler Empörung auslösen."

Auch Flugzeugentführungen und Bombenattentate in US-Großstädten wurden in Erwägung gezogen, um "die kubanische Regierung vor den Augen der internationalen Öffentlichkeit so darzustellen, dass sie ... als alarmierende und unkalkulierbare Bedrohung für den Frieden der westlichen Hemisphäre erscheint".

Ein toter Astronaut als Kriegsvorwand

Detailliert ist in den "Northwoods"-Papieren auch dargestellt, wie sich mit Hilfe raffiniert gestalteter Flugrouten, gefälschter Kennzeichen und präparierter Wracktrümmer der Eindruck erwecken lässt, ein US-Flugzeug sei durch kubanisches Militär abgeschossen worden.

Sogar für einen möglichen Tod des Astronauten John Glenn wollten die Militärplaner Kuba verantwortlich machen: Sollte beim ersten Versuch der USA, einen Menschen ins All zu befördern, die Rakete explodieren, könne das Unglück kubanischen Saboteuren angelastet und als Vorwand für einen Krieg genutzt werden.

Als die Papiere voriges Jahr durch den Buchautor James Bamford ("Body of Secrets") und den TV-Sender ABC bekannt wurden, vernahm die Öffentlichkeit erleichtert, dass der einstige Präsident John F. Kennedy die Umsetzung der "Northwoods"-Pläne abgelehnt habe.

Erst "top secret", jetzt im Internet

Zwei Jahre später allerdings startete Kennedy-Nachfolger Johnson die Tonkin-Intrige, womöglich nach einem ganz ähnlichen Drehbuch.

Mittlerweile stehen die Faksimiles der "Northwoods"-Akte also im Internet - gleichsam als ein virtuelles Mahnmal, das daran erinnert, zu welchen Teufeleien selbst in der grössten Demokratie der Welt Obskuranten in Uniform fähig sein können, sofern nicht im Weißen Haus ein Mann mit einem Minimum an Anstand sitzt, der sie bremst.


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

10.03.2003 17:41
#58 RE:Söldner der Lüge Antworten

@mick,

ich fürchte, dass du mit diesem artikel wieder eine enorme amerika-hetze betreibst!!!!



Hedge Fund Offline

NHL-Legende


Beiträge: 1.039

10.03.2003 19:32
#59 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
@tölzer,

vielen dank für deine oben gemachten ausführungen - dem kann ich mich 100 % anschließen!!!!

(obwohl ich leider glaube, dass auch diese fundierten ausführungen nicht alle überzeugen werden, denn manche glauben nur was sie wollen und/oder laufen als steigbügelhalter für machtbesessene, wirtschaftsorientierte möchtegerne-weltsheriffs durch die gegend)


@mick,

ich fürchte, dass du mit diesem artikel wieder eine enorme amerika-hetze betreibst!!!!



Also ich muss mir wirklich nicht die Mühe machen deine ganzen Artikel durchzugraben, denn es geht hier nicht nur um diesen Thread. Du hast deine Einstellung Richtung USA ja schon oft genug kundgetan. Und du wirst ja schon wissen, was du schon so alles geschrieben hast. Bist du/warst du nicht Lehrerin? Da kann man doch ein differenzierteres und reflektierteres Bild von dir erwarten, oder!? Aber du scheinst mir eine einseitige voreingenommene Meinung zu haben. Wenn du dies nicht als Polemik dort oben erkennst, dann tust du und deine Schüler mir sehr Leid. Als Lehrerin heißt es alle Fakten zusammenzutragen und Pro-/Contraargumente zu sammeln. Nicht mehr und nicht weniger. Die Interpretation darf dann jedem noch selbst überlassen werden. Aber immer nur Anti-Amerika-Stimmung zu verbreiten ist echt arm.

@ex-exil-lion

You're right! Knowwaddayamean...



ALLEZ Aiello ALLEZ!

Ex-Exil-Lion Offline

Tim Thaler


Beiträge: 1.972

10.03.2003 19:36
#60 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Dirty Tricks

1. Ich bin kein Freund Bushs.
2. Ich bin den USA nicht hörig.
3. Ich weiss, dass dieses schmutzige Spiel moralinfreie Zone ist. Aber: Könnte man die Machenschaften Husseins im Internet dokumentiert finden?
4. Und warum nicht?


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