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 Lions-Stammtisch
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bigfoot49 Offline

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Co-Admin

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13.10.2003 17:14
#586 RE:Söldner der Lüge Antworten

Hohe Suizidrate bei US-Soldaten

A merikas Armeeführung macht sich offenbar Sorgen um ihre Truppen in Irak: Allein in den vergangenen sieben Monaten haben sich 14 Soldaten das Leben genommen. Die Zahl der Selbstmorde sei beunruhigend, zitierte „USA Today“ am Montag die Militär-Psychiaterin Elspeth Cameron Ritchie.

Zudem ist laut der Zeitung in rund einem Dutzend Fälle die Todesursache ungeklärt. Hier werde Selbstmord nicht ausgeschlossen.

Den Angaben zufolge entsandte die US-Armee deshalb Psychologen in die Golfregion. Sie sollen untersuchen, was bei dem Einsatz in Irak anders laufe als sonst, sagte Ritchie.

Die meisten Selbstmorde fanden nach dem 1. Mai statt – also nachdem die Kampfhandlungen offiziell für beendet erklärt worden waren. Die Zeitung zitierte Experten, wonach die harten und gefährlichen Lebensbedingungen verbunden mit einer langen Stationierungsdauer bestehende Depressionen verschlimmern können. Auch sinke die Hemmschwelle angesichts der freien Verfügbarkeit von Waffen im Kriegsgebiet.

Das Team aus Psychologen, Psychiatern und Sozialarbeitern sei bereits vergangenen Monat in Irak eingetroffen, hieß es weiter. Von 700 untersuchten Soldaten seien 478 zur psychiatrischen Behandlung nach Hause geschickt worden.

13.10.03, 15:00 Uhr
http://focus.msn.de/G/GN/gn.htm?snr=125486&streamsnr=7

bigfoot49 Offline

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14.10.2003 21:08
#587 RE:Söldner der Lüge Antworten

USA vermuten Saddams Geld in Syrien


D ie Bush-Regierung hat von Damaskus mehr Unterstützung bei der Suche nach den vermissten Finanzmitteln verlangt. Ein Sprecher des US-Finanzministeriums sagte nach Angaben des Nachrichtensenders CNN am Montag (Ortszeit), die USA suchten nach den Finanzmitteln des gestürzten irakischen Regimes von Saddam Hussein in Höhe von rund drei Milliarden Dollar (knapp 2,6 Milliarden Euro). Das Geld müsste dem irakischen Volk zurückgegeben werden. Washington befürchte, dass das Geld für Terroranschläge gegen irakische Zivilisten und US-Soldaten verwendet werden könnte.

Die USA hätten der Regierung in Damaskus im Zusammenhang mit den Geldern „sehr genaue Informationen“ gegeben. Darunter befänden sich auch Kontonummern auf zwei syrischen Banken. Zwei Fahnder der US- Finanzbehörden und mehrere Mitglieder der irakischen Notenbank seien in Damaskus, um Zugang zu diesen Konten zu erhalten. Dies sei bisher nicht der Fall gewesen. Die US-Regierung hat seit Monaten Damaskus gedrängt, bei der Suche nach irakischen Vermögenswerten zu helfen.

Bush weist Kritik an Irakpolitik zurück

In einer Interviewserie mit regionalen US-Fernsehsendern wies US-Präsident George W. Bush indes Kritik an seiner Irakpolitik zurück. Einen Zeitpunkt für einen amerikanischen Truppenabzug wollte er nicht nennen und erklärte, dies könne erst geschehen, wenn in Irak Frieden und Freiheit auf Grundlage einer Verfassung und demokratischer Wahlen etabliert seien. Überstürztes Handeln sei zum Scheitern verurteilt, sagte er am Montag weiter und betonte: „Die Person, die die Verantwortung hat, bin ich.“

“Lage nicht falsch eingeschätzt“

Bush war am Sonntag aus den eigenen Reihen, vom republikanischen Senator Richard Lugar, aufgefordert worden zu zeigen, dass „der Präsident der Präsident ist“. Angesichts fast täglicher Anschläge in Irak wies Bush den Vorwurf zurück, seine Regierung habe die Lage im Nachkriegsirak falsch eingeschätzt und keine Strategie zur Überwindung der Probleme gehabt. Das sei falsch, es habe von Anfang an eine Strategie gegeben, die von der US-Zivilverwaltung umgesetzt werde und zu einem freien Irak führen werde.

Lugar hatte am Sonntag offenkundige Meinungsverschiedenheiten zwischen Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Vizepräsident Richard Cheney kritisiert. In dieser Situation müsse Bush Führung zeigen. In einer Umfrage zeigten sich unterdessen Bushs Zustimmungswerte erholt, von 50 Prozent Mitte September auf 56 Prozent in diesem Monat. Die Umfrage wurde für den Fernsehsender CNN und die Zeitung „USA Today“ vom Meinungsforschungsinstitut Gallup durchgeführt.

14.10.03, 15:45 Uhr
http://www.focus.de


bigfoot49 Offline

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14.10.2003 21:14
#588 RE:Söldner der Lüge Antworten

Nicht kriegerisch, aber eindeutig bedrohlich


12.10.2003 / HINTERGRUND / MANTEL


KONFLIKT / US-Präsident George W. Bush nimmt Kubas Staatspräsident Fidel Castro scharf ins Visier. "Inselstaat wird bald frei sein"

WASHINGTON. US-Präsident George W. Bush hat mit seiner Kampfansage an den kubanischen Staatschef Fidel Castro ein weiteres Kapitel der neuen, offensiven Außenpolitik der USA aufgeschlagen. Castro wird wissen, dass Bush seinen Worten Taten folgen lässt. Und seine Rede am Freitag im Rosengarten des Weißen Hauses war zwar ohne kriegerisches Säbelrasseln, aber trotzdem eindeutig und bedrohlich: "Kuba muss sich verändern. (...) Was immer der Tyrann für Pläne hat, Kuba wird bald frei sein."

Bush machte keinen Hehl daraus, dass die Maßnahmen auf die Beseitigung der Herrschaft des 77-jährigen Castro zielen, denn das Regime werde sich nicht freiwillig ändern. Als Beleg nannte Bush die zahlreichen politischen Gefangenen in den Gefängnissen Kubas.

Die USA wollen nun die Grenzen für Flüchtlinge und Emigranten aus Kuba weiter öffnen. Ohnehin stark reglementierte Reisen von Amerikanern nach Kuba sollen erheblich erschwert werden, um den Devisenfluss auf die wirtschaftlich Not leidende Zuckerinsel zu begrenzen. Ein von Bush erwähnter humanitärer Aspekt sei auch, den Sex-Tourismus nach Kuba zu unterbinden.

Ein neuer Satellit soll helfen, kubanische Störsender auszuschalten und die Kubaner über Fernsehen und Rundfunk verstärkt mit Berichten aus der freien Welt zu versorgen. "Unterdrücker-Regime hassen die Wahrheit", sagte Bush. Und schließlich wird eine Kommission unter Führung von US-Außenminister Collin Powell einen Plan für den Übergang "von einer stalinistischen Herrschaft in eine freie und offene Gesellschaft" erarbeiten.

Kritik und Skepsis waren erste Reaktionen auf die Ankündigung, das sozialistische Regime in Havanna zu destabilisieren. "Nach 40 Jahren US-Wirtschaftsembargo hat Castro die Insel nach wie vor fest im Griff", sagte der republikanische Parteifreund von Bush, der Abgeordnete Jeff Flake aus Arizona. Der Vorsitzende von Amnesty International in den USA, William F. Schulz, warnte, dass die Politik Washingtons die Unterdrückung in Kuba noch verschlimmern könnte. Die Vereinten Nationen fordern seit Jahren immer wieder die Aufhebung der Sanktionen.

Der US-Präsident reagiere lediglich auf die Wünsche der starken Minderheit von Exil-Kubanern in Florida, meinte Prof. Max J. Castro in der "Los Angelos Times". Er unterstellte, Bush wolle 13 Monate vor der Präsidentschaftswahl eine wichtige Zielgruppe gewinnen - zumal Bush im Juli viele US-Kubaner mit dem Zurücksenden kubanischer Flugzeugentführer nach Havanna gegen sich aufgebracht hatte.

Bushs Offensive ist aber kaum nur ein Wahlkampfmanöver. Sie passt genau in die neue US-Strategie, die spätestens nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine Außenpolitik der Offensive und der harten Hand betreibt. Kuba wäre nur ein weiterer Prüfstein für die konservative Vision der Regierung Bush von einer weltweiten US-Sicherheitspolitik.

Sowohl Bush als auch Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hatten in den vergangenen Woche in mehreren Reden entschieden den Waffengang im Irak gerechtfertigt. Vizepräsident Dick Cheney formulierte dann besonders drastisch die Sichtweise Washingtons: Angesichts der Untätigkeit vieler Regierungen und insbesondere des UN-Sicherheitsrates könne Washington gar nicht anders als offensiv handeln.

Zuckerbrot und Peitsche
Das Beispiel Kuba demonstriert auch die US-Politik von Zuckerbrot und Peitsche. Noch vor einem Jahr hatte Bush Castro versprochen, die Wirtschaftssanktionen aufzuheben, falls Kuba sich demokratischen Rechten öffne. Nun verwies der US-Präsident auf die neue Welle "brutaler Unterdrückung", mit der der Diktator in Havanna reagiert habe. Deshalb wird in Washington ein Plan für "glückliche Tage" vorbereitet, an denen das Castro-Regime nicht mehr existieren werde. (dpa) LASZLO TRANSKOVITS

http://www.nrz.de


keineAhnung Offline

iiiilljaaaa
Stammtisch-Mod


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14.10.2003 21:15
#589 RE:Söldner der Lüge Antworten

SPIEGEL

ANSCHLÄGE IM IRAK

Tod aus Personalmangel

Täglich sterben US-Soldaten durch Anschläge im Irak, die mit den Waffen aus Saddams Depots ausgeführt werden. Die Lagerstätten sind, so sie überhaupt entdeckt wurden, nur ungenügend bewacht - und damit Selbstbedienungsläden für Terroristen. Man habe nicht genügend Personal, rechtfertigen sich die Alliierten.

Berlin - Die Besetzung des Irak wird für die Sieger immer mehr zu einem Alptraum. Zwischen zwölf und 20 Soldaten der Alliierten werden täglich angegriffen, seit Ende der Kampfhandlungen am 1. Mai starben 188 GIs - mehr als im gesamten Krieg. Längst regt sich in der Heimat der Unmut über die steigende Zahl der Opfer und den zunehmenden Kontrollverlust im Irak.

Ein Bericht der "New York Times" wird diese Wut anheizen. Demnach müssen US-Soldaten sterben, weil die Alliierten die alten Waffenlager Saddams nicht ausreichend bewachen - aus Personalmangel.

Fast alle Anschläge auf US-Soldaten würden mit Waffen aus den Depots des gestürzten Diktators Saddam Hussein verübt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf hohe Offizielle der Besatzungstruppen im Irak. Zahlreiche Waffendepots der irakischen Armee seien entweder noch nicht gefunden worden oder könnten von den Alliierten nicht ausreichend kontrolliert werden, So gelang - und gelingt - es Widerstands- und Terrorgruppen, sich aus diesen Depots zu bedienen. Das Problem noch unentdeckter oder nicht kontrollierter Waffenlager sei wesentlich größer als bisher angenommen, zitiert die Zeitung einen Offiziellen der Allianz.

Selbst große Depots werden kaum kontrolliert

"Es gibt mehr Lagerstätten, als wir bewachen können", erklärte ein namentlich nicht genannter Militär. "Wir zerstören sie, so schnell wir können, aber wir finden jeden Tag neue". Insgesamt schätzt das amerikanische Militär den Restbestand der irakischen Armee mittlerweile auf rund eine Million Tonnen Waffen und Munition.

Vor zwei Wochen hatte General John P. Abizaid, US-Kommandeur für den Persischen Golf, noch von lediglich 650.000 Tonnen gesprochen. Ein US-amerikanisches Privatunternehmen, Raytheon, hat unterdessen den Auftrag erhalten, die irakischen Waffen zu vernichten, wird seine Arbeit aber erst im Dezember aufnehmen.

Nicht einmal große, bereits bekannte Depots wie etwa das von al-Musaijib, etwa 30 Kilometer südlich von Bagdad, kann die US-Armee wegen der Personalknappheit angemessen bewachen. Nur gelegentlich wird das Gelände von US-Soldaten kontrolliert oder von Helikoptern überflogen. Offenbar ohne abschreckenden Effekt: Militärs der Allianz vermuten, dass von dort nach wie vor Waffen und Munition entwendet werden.

Neue Bündnisse der Saddam-Gegner


AP

US-Soldaten im Irak: Lebensgefahr aus Personalmangel


Das Problem der unbewachten Waffenlager verschärft die ohnehin prekäre Sicherheitslage im Irak. Eine Vielzahl unterschiedlichster Gruppen und Milizen ist mittlerweile in den Kampf gegen die Besatzer involviert. Dabei komme es sogar zu unvermuteten Bündnissen. Wie die "New York Times" berichtet, hätten Nachrichtendienste Gespräche zwischen wahabitischen Islamisten aus Saudi-Arabien und irakischen Anhängern der Baath-Partei Saddam Husseins belauscht. Dies ist deshalb überraschend, weil die Wahabiten für eine ausgesprochen strenge Interpretation des sunnitischen Islams stehen, während die Baathisten moderate Sunnis und Säkularisten sind. Hinweise auf Aktivitäten des terroristischen Qaida-Netztwerks im Irak konnten US-amerikanische Nachrichtendienste indes trotz intensiver Suche bislang genauso wenig entdecken wie Massenvernichtungswaffen.

Zeitungsberichten zufolge untersuchen die USA unterdessen, ob der radikale, anti-amerikanischer Schiitenführer Moktada as-Sadr für den Anschlag auf das "Bagdad"-Hotel vom vergangenen Sonntag verantwortlich ist, bei dem sieben irakische Zivilisten starben. In dem Hotel wohnen die Mitglieder des von den USA einberufenen provisorischen irakischen Regierungsrates. Bislang wurde vermutet, dass Saddam-Hussein-Anhänger hinter dem Attentat stecken.

Wegen der eskalierenden Lage im Irak haben erste internationale Hilfswerke bereits mit dem Abzug von Mitarbeitern begonnen. Die NGO "Ärzte ohne Grenzen" reduzierte ihr Team von 30 internationalen Mitarbeitern auf sieben. Die im Irak tätigen Hilfsorganisationen seien immer mehr zur Zielscheibe geworden, erklärte Rudi Tarneden, Pressesprecher von Unicef Deutschland.
gruss
sandra



ICH WILL DEN WIEDER HABEN!

keineAhnung Offline

iiiilljaaaa
Stammtisch-Mod


Beiträge: 4.267

14.10.2003 21:19
#590 RE:Söldner der Lüge Antworten

SPIEGEL

Autobombe explodiert vor türkischer Botschaft in Bagdad

In der Nähe der türkischen Botschaft in Bagdad hat sich ein Selbstmordattentäter mit einer Autobombe in die Luft gesprengt. Zuvor hatte sich die irakische Übergangsregierung gegen den Einsatz türkischer Truppen im Irak ausgesprochen.

Bagdad - Laut dem arabischen TV-Sender al-Dschasira detonierte eine Autobombe vor dem Gebäude. Ein Selbstmordattentäter hat sich in die Luft gesprengt und dabei nach US-Militärangaben zehn Menschen verletzt. Laut dem Nachrichtensender CNN-Türk ist durch die Explosion eine Gartenmauer zum Teil eingestürzt. Scheiben des Gebäudes gingen zu Bruch. US-Soldaten und irakische Polizisten riegelten die Umgebung der Botschaft ab.
Die Türkei hatte sich bereit erklärt, Truppen in den Irak zu entsenden. Die irakische Übergangsregierung, der Regierende Rat, hat sich gegen den Einsatz türkischer Truppen in dem Land ausgesprochen.

Die türkische Regierung teilte am Dienstag mit, höchstens ein Jahr lang Soldaten zur Stabilisierung des Irak in das Nachbarland entsenden zu wollen. "Wir werden nicht Teil einer Besatzungsarmee im Irak sein. Wir werden nicht als Unterdrücker in den Irak kommen. Wir werden einen Zeitrahmen von einem Jahr für den Abzug aus dem Irak haben", sagte Außenminister Abdullah Gül am Dienstag nach einer Meldung der malaysischen Nachrichtenagentur Bernama.
gruss
sandra



ICH WILL DEN WIEDER HABEN!

mick Offline

Alteuropäer


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27.10.2003 11:36
#591 RE:Söldner der Lüge Antworten

link


Mission in Nöten

Der Anschlag auf sein Hotel in Bagdad führt Irak-Besucher Paul Wolfowitz vor Augen, wie instabil die Lage ist

VON ROLF PAASCH

Noch am Samstag in Kirkuk hatte Wolfies Welt so ausgesehen wie in seinen kühnsten Träumen von Irak. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul D. Wolfowitz hatte sich eine kugelsichere Weste übergezogen und spazierte mit einer Gruppe von US-Fallschirmjägern über den Markt von Kirkuk. Freundlich grüßte ihn die kurdische Bevölkerung als Befreier vom Joch Saddam Husseins. Ob die Händler nun wussten, dass ihnen hier der intellektuelle Architekt des Regimewechsels die Hand schüttelte oder nicht, Paul Wolfowitz genoss die Szene, deren Seltenheit im übrigen Irak genau die Schwierigkeit der US-Besatzung ausmacht. Hier aber im Gespräch mit den Kurden von Kirkuk konnte der Sohn eines polnischen Juden aus Warschau sogar seine arabischen Sprachkenntnisse anbringen. Ein freundlicher Gruß zum Beginn des Fastenmonats Ramadan - und die amerikanisch-jüdisch-arabische Kommunikation schien so selbstverständlich wie am Vortag im Kontakt mit ausgewählten Stammesführern und Scheichs in Saddams Geburtsort Tikrit.


Der Pentagon-Planer in der Realität

Mehrere Mörser auf das Raschid-Hotel in Bagdad haben Paul D. Wolfowitz dann am Sonntagmorgen kurz nach 6 Uhr in die Realität Iraks zurückgeholt. Die Waffen der Attentäter reichten dieses Mal nur bis zur dritten, zur achten und zur elften Etage des Hotels, wo der Stellvertreter aus dem Pentagon mit seiner Entourage im 14. Stockwerk abgestiegen war. "Dieser Terrorakt wird uns nicht von der Verwirklichung unserer Mission abhalten", sagte er zu den Journalisten, die mit ihm das Raschid-Hotel verlassen mussten.

Doch dass sich diese Mission als ungleich schwieriger erweist, als von Wolfowitz vorhergesehen, darauf hatten schon andere Umstände seiner Reise hingewiesen. So musste in Bagdad die Route seines Fahrzeugkonvois nach einem Bombenfund am Straßenrand verändert werden. In Habbanija, rund 80 Kilometer westlich der Hauptstadt, hatte am Samstag ein Attentat auf westliche Vertragspartner der US-Besatzungsbehörde drei Todesopfer gefordert. Am selben Tag war unweit von Tikrit einer jener Black-Hawk-Helikopter abgeschossen worden, wie sie auch Wolfowitz' viertägige Irak-Reise begleiteten.

Dieses Mal war der vielleicht einflussreichste Pentagon-Planer nach Irak gekommen, um für die raschere Übergabe der Verantwortung an irakische Sicherheitsorgane und Institutionen zu werben. Bis zum nächsten Sommer soll die neue Irakische Armee 40 000 Soldaten zählen. Schon heute, so rechnen die Beamten des Chef-Verwalters Paul Bremer vor, erfüllten mehr als 85 000 Iraker als Rekruten der neuen Polizei, des Grenzschutzes, des Objektschutzes und eines zivilen Verteidigungskorps Sicherheitsaufgaben. Bis zum nächsten Jahr soll sich diese Zahl verdoppeln.

Und wer wie Paul Wolfowitz auf seiner Visite den Vorträgen hoher US-Militärs zuhörte - wie die 4. Infantrie-Division seit Mitte September in 269 Durchsuchungen und rund 16 000 Patrouillen insgesamt 46 Bombenbastler und sechs Hintermänner festgenommen hat -, könnte sogar daran glauben, dass durch Intensivierung und Delegation der Sicherheitsbemühungen die Stabilisierung Iraks am Ende gelingen wird. Auf der anderen Seite aber hat der Anschlag auf das Raschid-Hotel auf den begrenzten Erfolg dieser Anstrengungen hingewiesen. Statt wie bisher 20 gibt's es jetzt täglich 35 Angriffe auf US-Soldaten, deren Abzug sich laut jüngster Meinungsumfrage mittlerweile mehr als 60 Prozent der Bevölkerung Iraks wünschen. Wolfowitz' Plan zur Übergabe der Verantwortung an irakische Kräfte in Ehren, so schreibt der ihn begleitende Kolumnist David Ignatius am Sonntag in der Washington Post: "Aber nach den Strategiewechseln der letzten sechs Monate ist es beunruhigend zu sehen, dass es, wenn dieser Plan scheitert, dazu keine gute Alternative gibt".


Die Bush-Doktrin geprägt

Paul Wolfowitz ficht dies nicht an. Der 59-Jährige gilt als Langzeitplaner, als Überzeugungstäter und neokonservativer Missionar und nicht als Verfechter einer konservativen Interessenpolitik oder Meister der praktischen Details. Die Idee präemptiver Verteidigungsschläge gegen Schurken-Staaten mit ABC-Waffenprogrammen steht schon im Leitfaden der Verteidigungsplanung von 1992, den Wolfowitz als Staatsekretär für Politik unter dem damaligen US-Verteidigungsminister Dick Cheney verfassen ließ. Auch von "Ad-hoc-Koalitionen" ist darin schon die Rede. Kurzum, der studierte Mathematiker und ehemalige Politikwissenschaftler hat die heutige Bush-Doktrin wie kein anderer geprägt. Doch ob er den Kampf um den Einfluss auf George W. Bush wirklich gewonnen hat, oder ob sein revolutionäres und immer moralisch begründetes Gedankengut von den anderen "Falken" in der US-Regierung nur instrumentalisiert worden ist, darüber wird in Washington noch gestritten. Für Wolfowitz bedurfte das Plädoyer für den Sturz Saddam Husseins nie der These von der "direkten Bedrohung" durch Massenvernichtungswaffen. Dem Überflieger im Pentagon reichte seine Utopie von Irak als archimedischem Punkt für die Demokratisierung des Nahen Ostens. Je größer die Probleme der Besatzer in Irak, um so deutlicher könnten in Washington die Bruchlinien zwischen Wolfowitz und "nationalistischen" Hardlinern wie Donald Rumsfeld oder Richard Cheney hervortreten.

Hätte die Diskrepanz zwischen Rhetorik und Realität in Irak Paul Wolfowitz jetzt beinahe das Leben gekostet, so hat sie seinen Chef Donald Rumsfeld vergangene Woche zu einer kritischen Neubetrachtung der US-Politik gezwungen. "Uns mangelt es an Kriterien, um zu wissen, ob wir den globalen Krieg gegen den Terror gewinnen oder verlieren", formulierte es der Verteidigungsminister in einem internen Pentagon-Papier, das für große Aufmerksamkeit sorgte. Kritiker warfen Rumsfeld vor, dass er vor US-Kongress und Öffentlichkeit ein rosa-rotes Bild der Lage in Irak zeichne und allein vor seinen engsten Vertrauten eine realistische Einschätzung der Schwierigkeiten wage. Immerhin hat Rumsfeld verstanden.

Die rasche Überantwortung vieler Sicherheitsmaßnahmen an die Iraker ist die vielleicht letzte Chance, Idealisten und Realisten unter den Hardlinern in der Bush-Regierung auf eine gemeinsame Politik zu verpflichten. Jede Alternative brächte veritablen Streit. Danach könnte der Moralist Wolfowitz mit seinem energischen Eintreten für die Demokratisierung des Nahen Ostens in Washington wieder so einsam sein wie in langen Zeiten seiner schillernden Karriere.
gruß, mick

mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

27.10.2003 11:38
#592 RE:Söldner der Lüge Antworten

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KOMMENTAR: ANSCHLAG AUF WOLFOWITZ

Gesichter des Kriegs

VON KARL GROBE

Paul Wolfowitz hat in Bagdad dem fortdauernden Krieg ins Gesicht gesehen. Vielmehr: Er konnte viele Gesichter des Kriegs wahrnehmen. Der Raketenangriff auf das Hochsicherheits-Hotel, in dem er sich aufhielt, war präzise organisiert, eine Kampfhandlung von Guerilleros. Tags zuvor hatte ein Armee-Sprecher berichtet, dass die Angriffe auf die Besatzungsarmeen zunehmen; vorige Woche wurden 35 Gefechte täglich verzeichnet, dreimal mehr als bisher. Als in Tikrit kurz nach dem Besuch des Vize-Verteidigungsministers ein Black-Hawk-Hubschrauber in Flammen aufging, kamen gar Erinnerungen an das US-Fiasko in Somalia auf.

Die USA stehen in Irak nicht kurz vor dem Endsieg über die restlichen Saddamisten und terroristische Verschwörer, wie die offizielle Version lautet. Der Widerstand andererseits ist nicht so stark, dass er die Besatzungsmächte rasch aus Mesopotamien vertreiben könnte. Zum bewaffneten Aufstand sind bisher erst Minderheiten bereit, und sie agieren noch unabhängig voneinander.

Über Raketen und Mörser, wie sie beim Angriff auf das Al-Raschid-Hotel am Sonntagmorgen verwendet wurden, verfügen anscheinend die Übriggebliebenen der einstigen so genannten Elitetruppen des Baath-Regimes. Bei den Plünderungen von Armee-Depots, deren Bewachung in den Tagen des vermeintlichen Blitzsiegs gar nicht vorhanden war und noch lückenhaft ist, können sich freilich auch andere zum Kampf entschlossene Gruppen bedient haben. Dass sie von zugereisten Extremisten Zuzug bekommen haben könnten, ist nicht entscheidend.

Die Selbstmord-Anschläge auf die jordanische Botschaft oder das UN-Hauptquartier in Bagdad haben offenbar einen anderen Hintergrund. Die "Handschrift" ist gerade nicht die einer wohl organisierten Partisanenarmee. Bei den fortdauernden Scharmützeln im "sunnitischen Dreieck" mischt sich anhaltende Abwehr gegen die Okkupation mit spontanen Reaktionen auf unüberlegte, manchmal von momentaner Panik bestimmte Handlungen der Fremden und mit der Frustration mancher Clans, aus denen sich die Machteliten aller früheren Regimes rekrutiert haben. Das Gemisch ist entzündlich. In jedem der erwähnten Komplexe sind die Hintergründe nicht in erster Linie religiös, sondern sozial - in Kombination mit einem in der irakischen Gesellschaft nicht zu unterschätzenden Selbstverständnis von Würde, Stolz und Bewusstsein eigener Fähigkeiten.

Die Mobilisierung der verelendenden Mittelschichten und des Unterproletariats in Medinet as-Sadr, dem Armuts-Stadtteil von Bagdad mit gut zwei Millionen Zuwanderern aus den Agrargebieten im schiitischen Süden, ist ebenfalls eher eine Reaktion auch der anhaltenden Zukunftsangst als eine schiitisch-extremistische Radikalisierung. Muktada as-Sadr, dessen Zuschläger den Aufbau einer eigenen Armee propagieren, nutzen einfachste Glaubenssätze vielmehr zur ideologischen Rechtfertigung eigener Machtpolitik; da andere politische Orientierungen offensichtlich nicht überzeugungskräftig genug sind, tun sie das nicht ohne Erfolg. Der Islamismus ist aber aufgesetzt, er ist nicht die Triebkraft der Aktionen.

Diese Strömungen erfassen noch bei weitem nicht das gesamte irakische Volk und auch nicht die Arabisch sprechende Mehrheit. Sie stehen noch unverbunden nebeneinander. Die Gefahr besteht aber, dass sie zusammenfinden. Im beginnenden Ramadan kann da einiges geschehen.

Verloren zwischen und neben alledem steht der handverlesene Rat der Würdenträger. Er wirkt nicht aus dem Volk und nicht ins Volk hinein. Er ist nicht die Selbstregierung, die unter Mithilfe und vielleicht Aufsicht durch die UN eine friedliche Perspektive bieten könnte. Das nicht sehen zu wollen und das Falsche zu fördern ist eine amerikanische Tragödie.
gruß, mick

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

27.10.2003 12:21
#593 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Das nicht sehen zu wollen und das Falsche zu fördern ist eine amerikanische Tragödie.

die sich immer wieder und immer wieder und immer wieder ... wiederholt

mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

27.10.2003 16:37
#594 RE:Söldner der Lüge Antworten

klick
Terror-Ermittlungen

Schwere Vorwürfe gegen das Weiße Haus

Mehrere Mitglieder des US-Kongresses greifen die Bush-Regierung scharf an. Diese soll die Ermittlungen zu den Terroranschlägen vom 11. September blockieren. Senator Lieberman droht damit, die Regierung anzuklagen.


Washington - Der demokratische Senator Joseph Lieberman geht auf die Barrikaden: Die Regierung enthalte der unabhängigen Untersuchungskommission zu den 9/11-Anschlägen wichtige Dokumente vor. Sollte sich Bush weiter weigern, besser zu kooperieren, "werde ich die Kommission drängen, die Regierung vor Gericht zu bringen", kündigte der Senator an.

Der parlamentarischen Kommission gehören Demokraten und Republikaner an. Bis zum 27. Mai soll sie einen Bericht vorlegen, der Empfehlungen für eine ganze Reihe von sensiblen Themen geben soll: Neben der Polizei- und Geheimdienstarbeit geht es dabei um Einwanderung, Diplomatie, um den kommerziellen Flugverkehr sowie die Finanzierung des Terrorismus.

Präsidentschaftskandidat Lieberman hält der Regierung vor, sie verfolge eine Verzögerungstaktik. Sie wolle die Dokumente so lange zurückhalten, bis es für die Kommission zu spät sei. "Wenn das Weiße Haus versucht, die Zeit ablaufen zu lassen, werden (der republikanische Senator) John McCain und ich beantragen, die Arbeit der Kommission zu verlängern."

Auch republikanische Politiker kritisieren das Verhalten der Regierung in der Sache. Senator Chuck Hagel etwa sagte dem US-Sender NBC, es sei im Interesse des Weißen Hauses, der Kommission alle Unterlagen zukommen zu lassen, die sei fordere. "Die Amerikaner und alle unsere Verbündeten müssen Vertrauen in unsere Führung haben."

Ashley Snee, Sprecher des Weißen Hauses, wies die Vorwürfe zurück. Man gewähre der Kommission schließlich Zugang zu zwei Millionen Seiten Unterlagen, sagte er.
gruß, mick

mick Offline

Alteuropäer


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27.10.2003 17:15
#595 RE:Söldner der Lüge Antworten

lang, aber lesenswert:

klick
Irak-Krieg

Armee der Schatten

Von Ralf Hoppe

Versteckt im ganzen Land, organisiert in Zellen, ausgerüstet nur mit Gewehren und Granaten will Saddams Guerilla die Besatzer vertreiben. 101 US-Soldaten sind seit Kriegsende schon getötet worden - und die Angst der Amerikaner vor dem unsichtbaren Feind wächst.

Die zwei Männer stehen in der Küche. Der jüngere kocht Tee, der ältere wäscht Datteln; die beiden besprechen, wen sie als Nächstes töten werden.

Der jüngere der zwei Männer ist groß und sehnig, er hat lockiges schwarzes Haar, ein glattes Gesicht, keinen Schnurrbart. Sein Name ist Mohammed al-Schein: 28 Jahre alt, geboren in Bagdad, er hat ein Ingenieurstudium begonnen und abgebrochen, danach eine Zeit lang als Lackierer und Anstreicher gearbeitet. Er spricht laut und hastig, seine Stimme klingt heiser.

„Glaub mir", sagt Mohammed zu dem Älteren, "wir sollten endlich handeln." Er trägt eine schwarze Anzughose, ein hellgrünes Hemd, einen schmalen Gürtel mit nachgemachter Pierre-Cardin-Schnalle.

"Wir sollten diesem Chain, diesem Verräter, die Zunge herausschneiden."
Der ältere der beiden Männer heißt Bassam Nadschafi. Er ist klein und muskulös wie ein Ringkämpfer, 45 Jahre alt, gebürtig aus Falludscha. Er trägt schwarze Jeans mit aufgenähten Seitentaschen und schwere Cowboystiefel. Die Datteln reibt er an seinem Sporthemd trocken, wortlos.

"Glaub mir, Bassam", sagt Mohammed, "die Zunge abzuschneiden, das ist eine gute Warnung. Und es ist einfach, wir haben neulich in Fidschir einen Spitzel so bestraft. Du brauchst drei Leute, zwei halten den Mann fest, du ziehst seine Zunge mit einer Zange heraus und dann ..." Er macht eine rasche Handbewegung.

"Und dieser Mann aus deiner Nachbarschaft, der uns also verraten will - wie viel Geld werden die Amerikaner ihm dafür geben?" Bassams Stimme ist sanft, er hat graues Haar, millimeterkurz.

Mohammed schüttelt den Kopf. "Ich weiß es nicht, angeblich 350 Dollar für jeden Widerständler."
Bassam schaut auf den Teller mit den Datteln. Daneben, auf dem weißen Plastiktisch, liegen zwei Kalaschnikows. "Wenn du meine Meinung wissen willst", sagt er leise, "eine Kugel in den Kopf, eine Kugel ins Herz."
Mohammed nickt. "Einverstanden, aber wir sollten noch den Major fragen."

"Wir fragen den Major", sagt Bassam.

Das Haus, in dem Mohammed und Bassam ihren Plan besprechen, liegt in einer Seitenstraße im Stadtteil Adhamija, nicht weit von der Abu-Hanifa-Moschee. Es ist ein Haus wie viele in Bagdad: ein staubiggelber Kasten, hohe Mauern, ein schwarzes, zackenbewehrtes Blechtor. Dahinter ein kleiner Vorgarten mit einem struppigen Limonenbaum. Unten drei Zimmer, oben zwei. In der Küchenabseite liegen ein kaputtes Kinderfahrrad, ein Sack Reis.

Wem dieses Haus gehört, wer hier lebt oder je gewohnt hat, wie oft Bassam und Mohammed dieses Haus nutzen und wie lange schon - auf solche Fragen geben die beiden keine Antworten. Dieses Haus in Adhamija, mit der Hausnummer 54, in einer Straße ohne Namen, ist einer der vielen Treffpunkte, Waffenlager und Verstecke des irakischen Widerstandes.

"Der Major sagt, wir sollen kämpfen wie Schatten", sagt Mohammed.

Es ist kurz vor halb zwei. Die Oktober-Sonne scheint durchs Küchenfenster, mittags wird es immer noch heiß in Bagdad, an die 30 Grad.

Fünf Monate zuvor, am 1. Mai 2003, an einem ebenfalls sonnigen Spätnachmittag, landete an Bord des Flugzeugträgers USS "Abraham Lincoln" eine Maschine vom Typ S-3B Viking. Ihr entstieg der oberste Feldherr der Vereinigten Staaten: Im Fliegerdress beschritt George W. Bush das Deck. Und nachdem er die Uniform gegen einen schwarzen Anzug getauscht hatte, hielt er eine Rede, in der er das Ende der Hauptkampfhandlungen im Irak verkündete. Diese Rede dauerte etwa 25 Minuten, und sie hatte nur einen Fehler: Der neue Krieg hatte bereits begonnen.

Der Irak-Feldzug, den Bush vor der Küste Kaliforniens für beendet erklärte, war ein Blitzkrieg. Dieser zweite Krieg, der heimliche, könnte ewig dauern.
Und er liefert, seit sechs Monaten, den Amerikanern keine Siegesmeldungen, nur immer neue Katastrophen. Autobomben gehen hoch, wie vor dem Canal-Hotel im Nordosten Bagdads, wo 15 Menschen starben, unter ihnen der Uno-Beauftragte Sergio Vieira de Mello. Die amerikanischen Konvois fahren in Minenfallen, wie in Falludscha. Die Widerständler beschießen das Hauptquartier der Dänen, wie in der südirakischen Stadt Qurna. Sie sprengen Pipelines, wie im Norden bei Kirkuk. Und sie versuchen beinahe jeden Tag, die Maschinen der Royal Jordanian Airlines abzuschießen, die zwischen Amman und Bagdad einen regelmäßigen Flugverkehr etablieren wollen.

Seit Bushs Rede auf der "Abraham Lincoln" sind mehr als hundert US-Soldaten im Irak getötet worden; im Schnitt sind das beinahe jede Woche vier tote Amerikaner und noch mehr Verletzte. Die toten Iraker, Widerständler und Zivilisten, zählt niemand.

Für die US-Soldaten ist dies kein Abenteuer mehr, kein Horrido-Trip durch die Wüste, zum Swimmingpool im Palast des irren Diktators. In den Wochen, kurz nach dem Krieg, verteilten die GIs noch überall Süßigkeiten an Kinder und Jugendliche, sie winkten aus ihren Panzerluken, Wachposten schüttelten Hände, die Amerikaner gaben sich Mühe. Jetzt entsichern die verhassten Befreier ihre Waffen, sobald ihnen ein Iraker zu nahe kommt - er könnte eine Handgranate haben.

"Dabei haben wir erst begonnen", sagt Mohammed.

"Umso besser", sagt Bassam, "wenn die Amerikaner uns fürchten."

Bassam und Mohammed sind beide verheiratet, sie leben in Mietwohnungen, haben Kinder. Mohammeds Söhne gehen in die erste und dritte Klasse. Bassams älteste Tochter soll demnächst heiraten, wahrscheinlich wird er bald Großvater, er freut sich darauf. Die zwei Männer könnten auch Busfahrer sein, Obsthändler, Lehrer oder Bauarbeiter. Aber sie haben Präsident Bush den Krieg erklärt: Solange Amerikaner in ihrem Land sind, werden sie sie angreifen. Weder ihre Kinder noch ihre Ehefrauen, weder Mohammeds Eltern noch Bassams Brüder, denen er sonst alles anvertraut, haben einen Schimmer von diesem zweiten Leben.

Überall im Land haben die Widerständler Waffen gehortet. In unscheinbaren Wohnungen, hinter Wandverschalungen, lagern Minen und Panzerfäuste. Unter Petersilienbeeten, eingepackt in mehrere Schichten Plastikfolie, liegen Kalaschnikows und Munitionskisten. Handgranaten kann man auf dem Markt kaufen, sie kosten zwei Dollar, bei großen Stückzahlen gibt es Rabatt.

"Wir sind keine Selbstmörder, denn wir wollen noch lange gegen die Amerikaner kämpfen", sagt Mohammed, "doch wenn es sein müsste, würden unsere Familien es verstehen." Er steht auf, um neuen Tee zu kochen. Die Küche ist ein karger Raum: eine hölzerne Anrichte, ein Kunststofftisch, Plastikstühle. Auf dem verkratzten Steinfußboden stehen Petroleumlampen.

Draußen klopft jemand ans Tor.
Bassam ist sofort am Küchenfenster. Mohammed schlüpft aus seinen Schuhen, greift seine Kalaschnikow, er lässt das Magazin einrasten, seine Bewegungen sind routiniert, er huscht aus der Küche, die Treppe hoch zum Dach, geschmeidig, wortlos. Eine Minute vergeht, zwei Minuten. Dann kommt er wieder, seine Socken sind staubig: "Nur Kinder", sagt er, "wir können weiterreden."

"Ich empfand Stolz in meinem Herzen. Ich blickte hoch zu den Hubschraubern und dachte: Nie werden sie mich finden."

Der zweite, der heimliche Krieg begann am 29. April, zwei Tage vor Bushs Rede. Er begann in Bassams Geburtsort Falludscha, eine halbe Autostunde westlich von Bagdad, und Bassam war dabei. Die Amerikaner hatten eine Schule als Quartier konfisziert. Die Männer von Falludscha waren wütend: Es passte ihnen nicht, dass so viele unverheiratete Soldaten hier wohnen sollten, in Nachbarschaft zu ihren Frauen. Demonstranten zogen vor die Schule, erst einige hundert, schließlich an die tausend Menschen, viele Jugendliche und Kinder. Es ging alles ein bisschen durcheinander, manche skandierten Saddam-Parolen, die meisten forderten nur den Abzug der Soldaten. Zuerst war alles noch ein Spektakel. Doch irgendwann fiel ein Schuss.

Wer zuerst schoss und in welcher Absicht, wurde nie geklärt, auch Bassam weiß es nicht. Möglich, dass ein US-Soldat nervös wurde, wahrscheinlich nur einen Warnschuss abgeben wollte, möglich auch, dass Saddam-Anhänger die Amerikaner provozieren wollten. Die Iraker jedenfalls warfen Steine, die Soldaten feuerten in die Menge, sie erschossen 18 Menschen, auch Frauen und Kinder.
Inzwischen ist Falludscha eines der Zentren des Widerstandes. Am Ortseingang verkünden Graffiti: "Erhebe dein Haupt, denn du bist nun in Falludscha!"

"Die ersten Wochen nach dem Krieg waren wir gelähmt, gedemütigt", sagt Bassam. "Hätten wir den Vorfall von Falludscha auch noch hingenommen - dann hätten wir jeden Glauben an uns verloren."

Jeder gelungene Anschlag, sagt Mohammed, stärkt das Selbstbewusstsein. Jeder Anschlag ist eine Warnung an die Iraker, sich nicht mit den Amerikanern zu verbrüdern, jeder Tote ein Beweis: "Ein Beweis, dass die Partei immer noch kämpft", sagt Bassam.

Der Major sagt, sie sollen kämpfen wie Schatten.

Bassam Nadschafi und Mohammed al-Schein sind Geschöpfe der Baath-Partei, Zöglinge des Saddam-Regimes, "wir sind wie seine Söhne", sagt Mohammed. Und die Folter, die Tyrannei, der grassierende Sadismus? "Die Iraker brauchen Führung", sagt Bassam, "und Saddam war ein starker Führer." Sie erzählen, dass unter Saddam alles besser war, weil Ordnung herrschte, weil ihre Ehre gewahrt blieb, weil ihre Frauen sicher waren. Sie meinen: Wir wussten wenigstens, wer wir sind.
Bassam Nadschafi trat Anfang der Siebziger in die Partei ein, mit 14; Mohammed al-Schein mit 17. Beide aus Überzeugung, sagen sie. Karriere machten sie nicht, sie gehörten immer zu den unteren Kadern, aber die Partei versorgte sie mit Geld, genug für einen bescheidenen Wohlstand, und sie verlangte dafür Gehorsam.
Mohammed und Bassam lasen die panarabischen Schriften von Michel Aflak, dem Baath-Gründer, sie gingen zu Versammlungen, zum Waffentraining, zum Sport. Ab und an wurde ein Arbeitseinsatz befohlen, Mohammed musste gelegentlich als Anstreicher arbeiten, Bassam bei der Stadtreinigung oder als Wachmann. Dazwischen lange Phasen geregelten Nichtstuns. Sie vermissten nichts, sie waren Funktionäre, die treue Reserve der Partei, sie hielten sich bereit. Das genügte. Es war ihr Lebenssinn.
Dieses System funktioniert immer noch - nur eben heimlich.

Der Widerstand, erzählt Mohammed, ist in kleinen Zellen organisiert. Jede Zelle besteht aus drei bis zehn Mann und besitzt eigene Waffenlager, plant ihre eigenen Anschläge. "Mindestens drei Zellen", sagt er, "sind eine Gruppe, drei Gruppen bilden einen Zweig, eine Schuba, und mindestens drei Zweige formieren sich zu einem Ast, Far genannt." Man telefoniert auch nicht miteinander. Man trifft sich in Häusern, Wohnungen, an Straßenecken. Und wenn sie mal telefonieren müssen, benutzen Bassam und Mohammed gewundene Umschreibungen, ein "Anschlag" ist dann ein "schönes Geburtstagsgeschenk". Beide sprechen irakisches Arabisch, mit Ausdrücken, die schon ein Palästinenser oder Ägypter kaum versteht. Erst recht nicht amerikanische Abhörexperten von der CIA, die vielleicht zwei Grundkurse Arabisch absolviert haben. Die kapieren gar nichts.

Ihre nächsten Führungskader, zum Beispiel den Mann, den sie Major nennen, können Bassam und Mohammed von sich aus nicht kontaktieren. Sie haben keine Ahnung, wo er lebt, wahrscheinlich kennen sie nicht mal seinen Namen. Sie müssen abwarten, bis der Major sich mit ihnen in Verbindung setzt und ihnen einen "Vorschlag" macht. In Wahrheit ist der Vorschlag ein Auftrag.

So war es bei der Operation in Dora, erzählt Bassam. Er hat den Anschlag allein ausgeführt, behauptet er, Mitte September.
Und, ja, die Operation war erfolgreich.

"Vier", sagt Bassam, "vier tote Amerikaner."

"Vier", sagt Mohammed, "mit Gottes Hilfe."

Im Stadtteil Dora, im Süden von Bagdad, gibt es eine Schnellstraße, die Schaara Mohammed Dora, die in Ost-West-Richtung verläuft und das Wohngebiet mit der Stadtautobahn verbindet. Der Major hatte Bassam gesagt, dass hier häufig Humvee-Konvois führen. Bassam machte einen langen Spaziergang nach Dora. Er sah, dass längs der Schnellstraße, getrennt durch einen Graben, ein großer, halb wilder Palmengarten liegt, und er fasste seinen Plan: Er verkleidete sich als Bauer.

Morgens um sechs Uhr lag Bassam Nadschafi, im grünen, knöchellangen Gewand, auf dem Bauch hinter einer Palme. Neben sich eine Schaufel, zur Tarnung, unter einem Lappen eine Panzerfaust, außerdem eine kurzläufige Kalaschnikow mit drei Magazinen à 30 Schuss.
Kurz vor zehn kam der Konvoi.

"Das ist der Moment, in dem du ein starkes Herz brauchst. Viele von unseren Kämpfern hatten diesen Mut nicht."


Der Geländewagen explodierte augenblicklich, eine riesige Stichflamme stieg auf, schwarzer Rauch, Splitter flogen, Bassam presste sein Gesicht in die sandige Erde - und dann sprang er auf und rannte los. Er rannte Richtung Norden, zwischen den Palmen hindurch, quer durchs Gestrüpp, rannte in seinen schweren Cowboystiefeln und triumphierte. "Irgendwann kamen Hubschrauber, und sobald sie näher kamen, duckte ich mich unter einem Busch oder Baum."

Und wie fühlte er sich dabei?

"Ich empfand Stolz in meinem Herzen, war voller Leben. Ich hatte etwas Wichtiges vollbracht - ich blickte hoch zu den Hubschraubern und dachte: Nie werden sie mich finden, dies ist mein Land, meine Erde, und sie sind Fremde und blind dazu."
Der Major sagt, sie sollen kämpfen wie Schatten.
Während des Krieges waren Bassam und Mohammed als Fedajin im Einsatz, in einer Art Nebenarmee des Diktators. Sie trugen schwarze Uniformen ohne Rangabzeichen, sie kämpften in kleinen Verbänden. Bassam war anfangs in Basra stationiert, später in Tikrit. Mohammed in Bagdad, zuletzt am Flughafen. Gegen die Hightech-Waffen, gegen den Tod von oben, hatten sie keine Chance.

Am vorletzten Tag des Krieges war Mohammed noch am Flughafen. Seine Einheit hatte sich zurückgezogen. Er hatte während des Krieges keinen einzigen Schuss abgegeben. Er schleppte seine Panzerfaust mit sich herum und wusste nicht, was er tun sollte.

Doch dann tauchte ein einzelner Abrams-Panzer auf.

"Als Mann gegen einen Panzer zu kämpfen ist schwer", sagt Mohammed, "du musst zum Schuss kommen, dich an ihn heranarbeiten, doch je näher du kommst, desto größer wirkt er - wie ein böses Tier, ein Ungeheuer." Er zögert. "Das ist der Moment, in dem du ein starkes Herz brauchst. Viele von unseren Kämpfern hatten diesen Mut nicht, man darf es ihnen nicht vorwerfen."

Mohammed steht auf. Er verschwindet in der Toilette, um sich zu waschen, dann holt er einen kleinen Teppich und rollt ihn in einem Winkel im Wohnzimmer aus. Bassam bleibt am Küchentisch sitzen. Man hört Mohammed beten, halblaut.
Mohammed ist frommer Sunnit, Bassam Schiit, aber ihr Glaube ist nach der Baath-Ideologie ihre Privatsache. Und die angeblichen Qaida-Kämpfer und die anderen Glaubenskrieger?

"Wir haben mit ihnen nichts zu schaffen", sagt Bassam. "Einige tausend werden im Land sein, aber sie können nicht viel ausrichten."

Warum?

"Es fehlt ihnen an Logistik, an Rückhalt. Wie sollen sie sich verstecken? Jeder Iraker erkennt an ihrem Akzent sofort, dass sie aus Saudi-Arabien oder Kairo kommen - sie sind wie Touristen." Er zuckt die Achseln. "Saddam wird sie rausschmeißen, sobald er an der Macht ist."

Mohammed hat gebetet, er und Bassam lassen sich fotografieren, allerdings maskiert. Bassam schiebt zwei weiße Plastikstühle vor eine Wand. Mohammed holt aus einem Regal einen Pappordner und zieht ein Saddam-Bild hervor, DIN A4. Er trägt es wie eine Reliquie zur Wand, um es anzukleben, genau in die Mitte und schön gerade. Die beiden setzen sich darunter.

Saddam Hussein ist da und nicht da, allgegenwärtig wie ein Gespenst, der Oberste der Schatten.
Die Männer verstecken die Gewehre, Bassam spült die Teegläser, wir verlassen das Haus durch den Hinterausgang, ein Wagen wartet an der Ecke. Es ist ein alter, gelber VW-Passat. Der Fahrer fährt uns ohne ein Wort zur Hauptstraße von Adhamija. Der Major erwartet uns.

"Mit al-Qaida haben wir nichts zu schaffen. Einige tausend werden im Land sein. Sie sind wie Touristen."

Der Wagen hält vor einer Art Elektrowerkstatt. Ein einzelner, schmaler Raum, ebenerdig, klein, unaufgeräumt. In der Mitte des Raumes steht ein Mann, Mitte fünfzig, schmales Gesicht, Schnurrbart, graue Tuchhose, graues Hemd, blanke Halbschuhe.

"Wir haben fünf Minuten", sagt er.

Im hinteren Teil der Werkstatt steht ein großer kistenartiger Tisch, darauf Schraubenpakete, Farbdosen, Autoscheinwerfer, noch verpackt. Rollen mit Klebeband, Atemmasken gegen Lackdämpfe. Der Major beginnt den Tisch abzuräumen, Mohammed und Bassam helfen, dann klappt der Major den Tisch hoch: In der tiefen Ablage darunter liegen, schimmernd, vier, fünf Panzerfäuste, zwei Stofftaschen voll mit Handgranaten, geriffelt und grau glänzend, etliche Kalaschnikows. "Das ist eines von zahllosen Waffenlagern", sagt der Major. Und schließt die Klappe.

"In unseren Händen befinden sich etwa sieben Millionen Kalaschnikows, knapp zwei Millionen Handgranaten und 80 000 bis 100 000 Panzerfäuste. Wir haben außerdem Minen, aber leider nicht genügend Zünder."

Der Major steckt sich eine Zigarette an. "Wir haben außerdem ein Geldproblem", sagt er, "wir müssen unsere Leute mit Geld versorgen, sie finden keine Arbeit, aber sie haben Familien, sie müssen Brot auf den Tisch bringen." Er schaut zu Bassam und Mohammed, lächelt kurz, beide nicken.

"Doch wir können uns auf die Tapferkeit unserer Kämpfer verlassen, und wir werden jeden angreifen, der an der Seite der Amerikaner oder mit ihrer Duldung in den Irak kommt, auch Deutsche, denen wir sonst mit Sympathie gegenüberstehen."

Wie viele Männer sind im Widerstand organisiert?

"Genügend."

Mehr als 50 000?

"Ja."

Mehr als 100 000?

"Ja."

Mehr als 200 000?

"Es sind genügend", der Major ist jetzt etwas gereizt, "wir haben starken Zulauf, annähernd die Hälfte aller Iraker steht auf unserer Seite."

Der Mann zieht ein mehrmals gefaltetes Papier aus seiner Brusttasche, setzt eine schmale Goldrandbrille auf und verliest einen Brief, den Saddam Hussein geschrieben haben soll: Das Feuer des Widerstandes wird den Feind verzehren, der Sieg ist unaufhaltsam, die Amerikaner haben das Tor zur Hölle geöffnet. Das Neonlicht flackert, Bassam und Mohammed stehen gerade wie bei einem Appell, der Major faltet den Brief wieder zusammen. Er steckt die Brille ein und geht.

Es ist acht Uhr, draußen ist die Sonne längst untergegangen. Polizisten regeln den Verkehr in ihren neuen blauen Uniformen, Restaurants haben geöffnet, Eisdielen, Hemdenläden, manche Straßen sind sogar beleuchtet: Bagdad wirkt beinahe wie eine normale Stadt.

"Es ist", sagt Bassam, "unsere Stadt."
gruß, mick

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27.10.2003 17:30
#596 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Mehr als 100 000?

"Ja."

Mehr als 200 000?

"Es sind genügend", der Major ist jetzt etwas gereizt, "wir haben starken Zulauf, annähernd die Hälfte aller Iraker steht auf unserer Seite."


bloß glaub ich denen genauso wenig wie den amis und ihren kriegspartnern!!!!

nichtsdestotrotz ist es das land der iraker!

prankster Offline

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27.10.2003 17:31
#597 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
Mehr als 100 000?

"Ja."

Mehr als 200 000?

"Es sind genügend", der Major ist jetzt etwas gereizt, "wir haben starken Zulauf, annähernd die Hälfte aller Iraker steht auf unserer Seite."


bloß glaub ich denen genauso wenig wie den amis und ihren kriegspartnern!!!!

nichtsdestotrotz ist es das land der iraker!

mick Offline

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28.10.2003 18:37
#598 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
bloß glaub ich denen genauso wenig wie den amis und ihren kriegspartnern!!!!
nichtsdestotrotz ist es das land der iraker!


geht mir genau so. aber das ist doch auch gar nicht der entscheidende punkt, sondern vielmehr, dass bei einer beibehaltung der momentanen besatzungspolitik der zulauf an radikalen und fanatikern stetig zunehmen wird. die herren bush bremer und konsorten sollten mal überlegen, warum nicht mal mehr 40 prozent der iraker die sogenannten befreier, demokratiebringer, nation-builder, etc. im land haben wollen.

link


KOMMENTAR: ESKALATION IN IRAK

Ein neues Vietnam?

Von Karl Grobe

Der Schlüssel zur Stabilisierung Iraks sei die rasche Entwicklung der Demokratie, erläuterte der US-Diplomat James Dobbins. Der Ex-Botschafter, der jetzt für die Rand Corporation Denkarbeit leistet, hat gewiss nicht Unrecht - in der Theorie. In der Bemerkung klingt dennoch ein wenig der Nixon-Satz nach, man könne jetzt das Licht am Ende des Tunnels sehen. Was in den letzten paar Tagen in Irak tatsächlich geschehen ist, lässt vermuten, die USA und ihre Verbündeten hätten gerade erst die Bagdader Tunnel-Einfahrt erreicht.

Die Anschläge auf das Rote Kreuz und mehrere Polizeistationen in der irakischen Hauptstadt deuten auf eine Intensivierung des bewaffneten Widerstands hin. Die Attacken in Tikrit und auf das Al-Raschid-Hotel belegen offenbar, dass die Urheber aller sicherheitsbedingten Geheimhaltung zum Trotz genau darüber informiert waren, wo sich Paul Wolfowitz aufhielt. Sie dringen in Hochsicherheitsanlagen vor. Und sie sehen Hilfsorganisationen als Besatzungsgehilfen an.

Das ist noch nicht die Tet-Offensive des Vietnamkriegs, die losbrach, als die Washingtoner Abgesandten, Berater und Soldaten den Krieg für gewonnen hielten. Sie begann an einem hohen Feiertag zum Beginn des Mondjahres 1968. Die augenscheinlich konzertierten Angriffe in irakischen Städten eskalieren zu Beginn des Fastenmonats. Doch damit erschöpfen sich die Parallelen. Vor allem: Hinter den Angreifern in Irak steht kein Nachbarland, das sie unterstützt. So weit zum militärischen Aspekt und zu vermeintlich unvergleichbaren Entwicklungen.

US-Zeitungen stellen dennoch die Frage, ob "wir schon wieder in Vietnam sind". Nicht wegen der Kriegslage, sondern wegen der Systematik, mit der die US-Öffentlichkeit getäuscht wird und die Staatsführung sich als selektiv informiert erweist. Die US-Fernsehanstalten halten es nicht für erwähnenswert, wenn in San Francisco und Washington Hunderttausende gegen den Krieg demonstrieren; Präsident Bush bekundet, er lese keine Zeitung, sondern höre auf Condoleezza Rice. Schon Richard Nixon wollte nicht lesen, nichts sehen und nichts lernen.
gruß, mick

prankster Offline

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Beiträge: 4.115

28.10.2003 18:52
#599 RE:Söldner der Lüge Antworten

In Antwort auf:
geht mir genau so. aber das ist doch auch gar nicht der entscheidende punkt, sondern vielmehr, dass bei einer beibehaltung der momentanen besatzungspolitik der zulauf an radikalen und fanatikern stetig zunehmen wird. die herren bush bremer und konsorten sollten mal überlegen, warum nicht mal mehr 40 prozent der iraker die sogenannten befreier, demokratiebringer, nation-builder, etc. im land haben wollen.

stimmt, aber das haben wir ja schon im vorfeld gesagt
jede meldung, die jetzt kommt, ist nur wieder eine bestätigung!

mick Offline

Alteuropäer


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30.10.2003 12:30
#600 RE:Söldner der Lüge Antworten

link
Geheimdienst-Material zum Irak

US-Kongress stellt CIA Ultimatum

Der Machtkampf zwischen dem US-Kongress und der CIA hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Ein einflussreiches Komitee des Senats hat den Geheimdienst nun aufgefordert, binnen 48 Stunden alle Informationen auf den Tisch zu legen, die bei der Entscheidung für den Irak-Krieg eine Rolle spielten.

Washington - Senatsmitglieder des Geheimdienstausschusses brüten gerade an einem Bericht über die CIA und deren Direktor George Tenet. Kenner der Szene erwarten, dass dieser Report mit dem teuersten Geheimdienst der Welt scharf ins Gericht gehen wird. Sie rechnen damit, dass Tenet beschuldigt wird, die Gefahr durch Saddam Hussein übertrieben zu haben.

Um ihren Bericht weiter untermauern zu können, hat das Senats-Komitee die CIA nun aufgefordert, alle Informationen zu übergebe, die bei der Entscheidung, gegen den Irak in den Krieg zu ziehen, eine Rolle spielten. Die Unterlagen sollen bis Freitag, 12.00 Uhr Ortszeit vorliegen, fordert der Senat. Der Ausschuss, dem sowohl republikanische als auch demokratische Senatoren angehören, plant auch, den CIA-Chef persönlich zu befragen.

"Wir gehen fest davon aus, dass Sie zu einem vom Komitee noch zu bestimmenden Zeitpunkt persönlich erscheinen müssen", schreiben die Senatoren John Rockefeller (Demokraten) und Pat Roberts (Republikaner) an Tenet. Der Brief ist eine Reaktion auf ein Schreiben Tenets, in dem er mitteilt, alle relevanten Ordner "so früh wie möglich" zur Verfügung zu stellen.

"So früh wie möglich" - das war den Senatoren zu schwammig. Daher entschieden sie sich nun, dem CIA-Chef ein Ultimatum zu stellen.

Wie auch immer die Beurteilung der Akten und die Befragung Tenets ausfallen wird - einige Demokraten sehen die Kritik am bereits unter dem früheren Präsidenten Bill Clinton berufenen Tenet als geschickten Zug, um von der Kritik am Weißen Haus selbst abzulenken. Es ist weiterhin unklar, inwieweit die Regierung selbst Geheimdienstberichte für ihr politisches Ziel, einen Machtwechsel im Irak herbeizuführen, frisiert hat.

Die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet in ihrer jüngsten Ausgabe, Geheimdienstberichte seien unter der Regie von Vizepräsident Dick Cheney aufgebauscht worden. Unter Berufung auf Zeugen aus US-Behörden berichtet die Zeitung, ein im Pentagon angesiedeltes geheimes Büro habe das Weiße Haus gezielt mit überzogenen Meldungen über Saddam Husseins Waffenarsenale gefüttert.

na da bin ich ja mal sehr gespannt.
gruß, mick

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