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Dieses Thema hat 53 Antworten
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 Lions-Stammtisch
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Aeppler Offline

Right Defender 5.Reihe


Beiträge: 4.646

02.07.2003 16:16
Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

Killer-Brötchen des versuchten Mordes bezichtigt!
(tatsächliche Überschrift einer AP-Pressemeldung)

Linda Burnett, 23J aus San Diego, Kalifornien besuchte ihre
Schwiegereltern und während diese in einem nahegelegenen Supermarkt noch ein
paar Kleinigkeiten besorgten, wartete Linda im Auto. Passanten sahen Linda
in ihrem Auto bei geschlossenen Fenstern sitzen, die Augen geschlossen und
die Hände hinter ihrem Kopf verschränkt.
Einem Kunden des Supermarktes, der sie eine Zeit lang
beobachtete, kam das komisch vor und er ging hinüber zu ihrem Auto. Er
bemerkte, dass Lindas Augen in der Zwischenzeit wieder
geöffnet waren, und sie sehr seltsam aussah. Er fragte sie, ob alles in
Ordnung sei und sie antwortete, dass sie in den Hinterkopf geschossen wurde
und nun seit über einer Stunde ihr Gehirn festhalte und "reindrücke". Der
Mann rief sofort den Rettungsdienst. Die Sanitäter mussten das Auto
aufbrechen, da die Türen von innen verschlossen waren und Linda sich
weigerte, die Hände vom Kopf zu nehmen. Nachdem die Sanitäter endlich zu
Linda vordringen konnten, fanden sie an ihrem Hinterkopf einen
zusammengepressten Klumpen Brot vor. Ein Behälter mit Pillsbury-Brötchen zum
Aufbacken war in der Hitze explodiert, ein Geräusch wie einen Schuss
verursachend und der Teigklumpen flog gegen Lindas Hinterkopf. Als sie
danach tastete, dachte sie, es sei ihr Gehirn, welches durch das
vermeintliche Loch im Kopf nun heraushing. Sie fiel in Ohnmacht, erholte
sich davon aber schnell wieder und versuchte nun über eine Stunde lang ihr
"Hirn" festzuhalten bis Hilfe kam.
Linda ist übrigens blond!



FASC wenn Du Stimmung suchst

Das bleibt hier stehen, bis wir wieder aufsteigen


Robert # 4 Offline

Center 5. Reihe


Beiträge: 9.775

03.07.2003 07:11
#2 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

So was kann ich mir auch bei uns vorstellen...

Tschö, Robert



SV DARMSTADT 98 - JETZT ERST RECHT!

http://www.pixum.de/members/nighty0815de/

FASC: Wenn es abgeht dann geht's ab!!!

World Bowl 2003 in Glasgow: GALAXY! Und ich war dabei!

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

03.07.2003 07:14
#3 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

ich denke, dass linda keine angst haben muss, dass ihr "hirn" ausläuft

C-Gam Offline

Master of CereMONI 5. Reihe
Suche & Biete Mod


Beiträge: 8.888

03.07.2003 09:02
#4 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

Amerikaner bespuckt Polizisten - lebenslänglich

Oklahoma City (rpo). Drakonische Strafe: Weil ein Amerikaner einen Polizisten angespuckt hat, ist er im US-Bundesstaat Oklahoma zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.
Wie der US-Nachrichtensender CNN am Mittwoch (Ortszeit) berichtete, drohte dem 36-jährigen, der wegen häuslicher Gewalt festgenommen worden war, ein Jahr Gefängnis. Bei der Festnahme spuckte er einem Polizisten ins Gesicht. Weil auf diese Weise eine tödliche Krankheit übertragen werden kann, verhängte der Richter die Höchststrafe. Die Anwälte des Mannes wollen gegen das Strafmaß Berufung einlegen. Der Angreifer und die Polizisten wurden auf ansteckende Krankheiten untersucht. Das Ergebnis war negativ.

C-Gam
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@CereMONIYa tyebya lyublyu

mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

09.07.2003 11:34
#5 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

klick


"Krieg' doch Aids und stirb, du Schwein"

Der beliebte US-Talker Michael Savage entgleiste mal wieder - doch diesmal trug es ihn aus der Bahn

Von Eva Schweitzer

Was muss ein rechter Talkshowmacher tun, um von einem US-amerikanischen Nachrichtensender gefeuert zu werden ? Michael Savage hat alles versucht. Es reichte aber nicht aus, schwarze Kinder als "Ghetto-Schleim" zu bezeichnen oder Asiaten als "kleine Soja-Fresser". Oder vorzuschlagen, Immigranten aus Hubschraubern über der Wüste abzuwerfen und Frauen das Wahlrecht zu entziehen. All das hat Michael Savage getan, aber seine Talkshow bei MSNBC - einem US-Nachrichtensender im Kabel, der der General-Electric-Tochter NBC und dem Softwaregiganten Microsoft gehört - lief munter weiter. Aber nun hat er's geschafft: Savage nannte einen Anrufer, der sich als schwul zu erkennen gab, einen "Sodomisten" und empfahl im: "Krieg' doch Aids und stirb, du Schwein." Und weiter: "Du Stück Müll, friss eine Wurst und ersticke daran."

Savage war, als MSNBC ihn im März engagierte, bereits ein bekannter rechter Radio-Talker. Seine TV-Show Savage Nation (Wilde Nation) war ein Versuch von MSNBC, Fox News, den ultrarechten Konkurrenten, rechts zu überholen - zuvor hatte MSNBC den Altlinken Phil Donahue entlassen. Savages Zuschauerzahl lag im Schnitt um die 350 000, relativ viel für den schwachbrüstigen Kabelsender MSNBC. Der Moderator, der noch immer auf 300 Radiostationen präsent ist, wurde bekannt, weil er gegen Linke, Immigranten, Schwarze, Moslems, Obdachlose, Frauen, Schwule, Bürgerrechtler und Pazifisten vom Leder zog. So nannte er Amerikaner, die als "menschliche Schutzschilde" in Irak waren, "Müll", der das Militär behindere und der "grausam bestraft" werden sollte. Den CBS-Anchor Dan Rather bezeichnete er als "Propagandisten für Saddam", und Martin Scorsese als "Hollywood-Idioten der Woche". Auf seiner Website buchstabierte der Talkmaster sogar seinen eigenen Arbeitgeber MSNBC: "More Snotty Nonsense By Creeps" - mehr hochnäsiger Unsinn von Widerlingen.

Savage behauptete außerdem, dass die USA von "feministischen Fanatikern regiert" würden, die den "weißen Mann homosexualisieren", und dass Liberale "Kirchen in Abtreibungskliniken verwandeln" wollen. Er verspottete prominente Juden wie Joe Lieberman und Barbara Streisand. Er paraphrasierte Hermann Göring mit: "Wenn ich höre, dass sich jemand für Bürgerrechte engagiert, entsichere ich mein Sturmgewehr." Und seine Kritiker nannte er "schmutzige Ratten".

Damit brachte es Savage zum viertbeliebtesten Radiohost der USA, nach den beiden ebenfalls rechtslastigen Aushängeschildern Rush Limbaugh und Laura Schlessinger und dem Sex-Talker Howard Stern, was ihm wiederum den Job bei MSNBC einbrachte. Allerdings steht der Kabelsender nicht erst seit gestern wegen Savage unter Beschuss. So hatten Mitglieder des Vereins "Fair", der den US-Medien auf die Finger sieht, 2000 Beschwerdebriefe an MSNBC geschickt. Savage wurde zudem auf Websites kritisiert, wie etwa auf savagestupidity.com, michaelsavagesucks.com und takebackthemedia.com. Savage drohte damals, deren Betreiber wegen Geschäftsschädigung auf 500 000 Dollar zu verklagen.

Jedoch hatte MSNBC trotz aller Beschwerden zu ihm gehalten. Aber nun hat sich Savage an den Falschen vergriffen. Denn die schwule Gemeinde in den USA ist, anders als die Schwarzen, die Immigranten oder die Friedensbewegten, gut vernetzt und hat schon bewiesen, dass sie einen Anzeigenboykott organisieren kann. Von Savage Nation waren zuvor bereits Werbekunden wie der Lebensmittelgigant Kraft (Marlboro, Milka), der Waschmittelkonzern Procter & Gamble (Ariel, Meister Proper) oder Dell Computer abgesprungen. So sagte denn auch Jeremy Gaines, der Pressesprecher von MSNBC: "Die Entscheidung, das Programm zu beenden, war nicht weiter schwierig."

Savage, erstaunlich genug, entschuldigte sich bei den Schwulen Amerikas. "Diese Bemerkung sollte nicht das wiedergeben, was ich über die schreckliche Tragödie und das Leiden Aids denke", schrieb er auf seiner Website.


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

09.07.2003 15:55
#6 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

In Antwort auf:
Der beliebte US-Talker Michael Savage entgleiste mal wieder - doch diesmal trug es ihn aus der Bahn

es musste aber doch immer noch genügend leute gegeben haben, die sich den typ reingezogen haben - und das finde ich fast genauso schlimm!

mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

09.07.2003 17:09
#7 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

In Antwort auf:
es musste aber doch immer noch genügend leute gegeben haben, die sich den typ reingezogen haben
nicht nur haben, sondern immer noch tun.
In Antwort auf:
...Der Moderator, der noch immer auf 300 Radiostationen präsent ist...

gruß, mick (bekennender alteuropäer)

prankster Offline

NHL-Legende

Beiträge: 4.115

09.07.2003 17:11
#8 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

zum kotzen

Baphomet Offline

männliches Tratschweib
DEL, NHL & Intern. Mod


Beiträge: 6.061

10.07.2003 20:25
#9 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

Super-Bowl-Sensation

Im Super-Bowl-Finale 2004 plant sexy Wäsche-Hersteller „Victoria´s Secret“ die heißeste Halbzeit-Show aller Zeiten! In Push-Up und Spitzenhöschen treten 14 Dessous-Models zum Football-Match gegeneinander an.
Dann streiten sich Baywatch-Star Tracy Bingham, US-Playmate Nikki Ziering und Angie Everhart, die Ex-Geliebte von Hollywood-Star Sylvester Stallone, um das rote Ei.

„Team Euphoria“ und „Team Dream“ heißen die Gegner beim Straps-Spektakel. Playmate Nikki Ziering vom „Dream“-Team ist siegessicher: „Die anderen sind vielleicht etwas größer, aber wir haben einen entscheidenden Vorteil“, sagt sie und grinst. „ Wir haben nicht so viele Blondinen ...“
Kontrahentin Angie Everhart kann darüber nur milde lächeln: „Unsere Strategie? Wir gehen raus und reißen ihnen die BH´s vom Leib.“

Der Super Bowl – das Endspiel der National Football League (NFL) – ist jedes Jahr d e r Straßenfeger in den USA! Im letzten Jahr waren weltweit über eine Milliarde TV-Zuschauer beim Kick-Off dabei.
Wetten, dass es nächstes Jahr noch ein paar mehr sind .... 

http://www.bild.de

Atenio

Bapho!



mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

06.08.2003 16:09
#10 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

eher befremdlich als lustig, passt aber zum thread:
klick
Überwachung in den USA

Gefangen in der Matrix

Bei den Terroranschlägen des 11. September 2001 starben in den USA 3000 Menschen - in den folgenden Monaten der Datenschutz. Seither wird im "land of the free" hemmungslos gelauscht und überwacht. Jetzt soll eine neue gigantische Datenbank mit Informationen über Millionen von Amerikanern gefüttert werden. Ihr Name: Die Matrix.


Keine drei Wochen ist es her, als der US-Senat einem monströsen Schnüffel-Programm den Geldhahn zudrehte: "Terrorism Information Awareness", eines der Lieblingsprojekte von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, wird - wenn überhaupt - nur noch stark begrenzt verwirklicht werden.

Nun proben die Freunde der totalen Überwachung offenbar die Revolution von unten: Was auf Bundesebene nicht gelang, soll nun in einzelnen US-Staaten realisiert werden. Die "Matrix", kurz für "Multistate Anti-Terrorism Information Exchange", soll einem Bericht der "Washington Post" zufolge Milliarden von Datensätzen enthalten, eine Melange aus Beständen der Polizei und kommerziell erhältlichen Informationen über Einzelpersonen.

Datenbanken sollen alles und jeden erfassen

Damit wären nicht nur Kriminelle, sondern auch jeder andere Bürger in der "Matrix" erfasst. Künftig soll es etwa möglich sein, augenblicklich die Namen und Adressen aller braunhaarigen Besitzer eines roten Ford-Trucks im Umkreis von 30 Kilometern eines Tatorts zu finden. "Das System arbeitet genauso wie die Strafverfolgung früherer Tage, es ist nur viel schneller", erklärte ein Mitarbeiter des US-Unternehmens Seisint, das die "Matrix" entwickelte - und es dem Staat Florida anschließend schenkte.
Die Strafverfolger in anderen Bundesstaaten lecken sich bereits die Finger nach dem neuen System. "Wir haben es anderen Staaten gezeigt, und die sind ganz verrückt geworden", sagte Seisint-Gründer Hank Asher. Die Strafverfolger in mehr als einem Dutzend Staaten haben laut "Washington Post" bereits angekündigt, den Kollegen in Florida ihre Datenbanken zur Verfügung zu stellen.

Verschiedene US-Bundesbehörden unterstützen diese Bemühungen nach Kräften - und unterlaufen damit die Politik des Washingtoner Kongresses, landesweite Überwachungssysteme einzuschränken. Mit acht Millionen Dollar will die US-Heimatschutzbehörde laut "Washington Post" Pilotprojekte in Virginia, Maryland, Pennsylvania und New York ankurbeln. Das US-Justizministerium unter Leitung des ultrakonservativen John Ashcroft hat dem Bericht zufolge vier Millionen Dollar bereitgestellt, um die "Matrix" auf die gesamten USA auszudehnen.

Erinnerungen an Rumsfelds Spitzel-Programm

Das erklärte Ziel der "Matrix" ist das schnelle Erkennen von Verhaltensmustern und Querverbindungen zwischen Menschen. Damit ähnelt es frappierend dem vom Senat ausgebremsten "Terrorism Information Awareness"-Programm - auch wenn es in kleinerem Maßstab, nämlich nicht weltweit, operieren soll.

Die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der die "Matrix" Informationen über alle möglichen Personen zugänglich macht, löste nicht nur Proteste von Bürgerrechtsgruppen aus, sondern sorgt selbst unter Beamten für Unbehagen. Ein ranghoher Regierungsmitarbeiter, der die Entwicklung des Systems begleitet, räumte gegenüber der "Washington Post" ein, dass die "Matrix" tief in die Privatsphäre der Bürger eindringen könnte. "Ich kann alles über jemanden herausfinden", sagte Phil Ramer, Geheimdienstler in Florida. "Es ist beängstigend, und es könnte missbraucht werden." Das größte Problem sei derzeit, dass "jeder, der davon hört, das System haben will".

So durchsichtig der Bürger in der "Matrix" erscheinen würde, so zwielichtig ist der Entwickler des Systems. Seisint-Gründer Asher, der mit der Informationsbeschaffung über Individuen Millionen verdiente, ist so etwas wie der erste Hilfssheriff der USA. Er stellte dem Staat Florida nicht nur die "Matrix" kostenlos zur Verfügung, sondern arbeitete auch gratis für die US-Geheimdienste. Die wiederum lobten ihn öffentlich dafür, dass er nach dem 11. September 2001 Hinweise auf die Terror-Piloten der al-Qaida lieferte. Der Lohn ist offenbar die Freundschaft der Schlapphüte: Brian Stafford, früherer Chef des Secret Service, arbeitet laut "Washington Post" mittlerweile als leitender Angestellter bei Seisint.

Top-Informant war Drogenschmuggler

Allerdings haben US-Behörden nicht nur gute Erfahrungen mit Asher gemacht. 1999 beendeten das FBI und die Drogenfahnder von der Drug Enforcement Administration abrupt die Zusammenarbeit mit Ashers früherem Unternehmen DBT Online. Der Unternehmer hatte sich als Ex-Drogenschmuggler entpuppt - und wandelte sich später zum Spitzel für die Ermittler.

Ashers Freundschaft zu den Behörden taten solche Episoden offenbar keinen Abbruch. Der Millionär gilt als enger Freund von James T. Moore, der bis vergangenen Monat Chef der Strafverfolgungsbehörde in Florida war - und von Ashers Vergangenheit wusste, wie eine Justizsprecherin gegenüber Zeitungen einräumte. Im gleichen Atemzug aber nahm sie Asher in Schutz, denn schließlich habe der Unternehmer wegen der Drogen-Geschichte nie im Gefängnis gesessen. Die Politiker in Florida sind damit offenbar zufrieden. So zufrieden, dass sie Asher nicht mehr kostenlos für sich arbeiten lassen wollen. Das Parlament stellte jetzt 1,6 Millionen Dollar bereit, um Seisint zu bezahlen.

Markus Becker


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

14.08.2003 16:29
#11 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

klick
Bush-Herausforderer

Bandenkrieg gegen Dr. Dean

Von Matthias Streitz, New York

Mit scharfen Attacken gegen George Bush, den Krieg und die "Feigheit" der eigenen Partei hat sich Howard Dean an die Spitze der demokratischen Präsidentschaftsbewerber gesetzt. Nun schlägt das Partei-Establishment zurück.



Washington - Senator Kerry wahrt die Form, als er seinen Rivalen abkanzelt: Er nennt keinen Namen. Das muss er auch nicht. Im Publikum in Philadelphia weiß ohnehin jeder, wer gemeint ist.

Der Senator aus Massachusetts schimpft gerade gegen jene, die George W. Bushs gigantische Steuersenkungen wieder zurücknehmen wollen - und zwar voll und ganz. "Das wäre nicht nur schlechte Wirtschaftspolitik", mahnt Kerry. "Es ist auch schlechte Taktik". Sollen die Demokraten etwa Millionen Wähler vergrätzen, die sich schon gewöhnt haben an ihre Extra-Dollars?

Der Mann, der just das riskieren will, steht auf dem Podium ein paar Meter neben Kerry. Er heißt Howard Dean, ist studierter Mediziner, 54 und Ex-Gouverneur des liberalen Mini-Staates Vermont. In Philadelphia hat er sich, wie anderswo schon oft, zum Schau-Debattieren mit seinen Parteigenossen getroffen, die wie er 2004 Präsident werden wollen anstelle des Präsidenten.

"Wollen wir Frust ablassen oder regieren?"

Etwas aber ist diesmal anders. Seit ein paar Wochen gilt Dr. Dean, lange ein Nobody, als der Überraschungsfavorit im Rennen um die Nominierung. Gerade prangte sein Gesicht zeitgleich auf den Titeln von "Time" und "Newsweek" - ein medialer Doppel-Coup. Für Dean reicht es nun nicht mehr, nur gegen Bush zu zürnen - er muss sich auch gegen die alte Garde der Demokraten verteidigen. Gegen Kongress-Veteranen wie Joe Lieberman, Dick Gephardt - und John Kerry, der sich wohl schon als Kandidat gesehen hatte.


"People-Powered Howard", der klein gewachsene Ex-Ringkämpfer und Liberale aus dem Nordosten, hat seine Partei in Aufregung versetzt, im guten wie im schlechten Sinne. Während die Basis auf einen neuen Volkstribun hofft, der Wähler gegen Bush mobilisiert, erblickt das Establishment einen falschen Propheten.

"Wollen wir Frust ablassen oder wollen wir regieren?", beschreibt Evan Bayh das Dilemma der Opposition im dritten Jahr Bush. Senator Bayh leitet den Democratic Leadership Council, einen Zirkel einflussreicher Gemäßigter, der Al Gore und Bill Clinton an die Spitze verhalf. Dean-Kritiker wie er blättern in diesen Tagen oft in Amerikas Wahl-Annalen und ziehen bedrohliche Vergleiche. Gewinne Dean die Nominierung, werde er enden wie George McGovern - der Vietnamkriegs-Gegner, der in 49 der 50 Staaten gegen Richard Nixon verlor.

"Fahrkarte nach nirgendwo

Dean sei zu links, zu wütend, zu nah am Pazifismus, tönt auch Senator Lieberman. Wer diesen Populisten nominiere, kaufe "eine Fahrkarte nach nirgendwo". Deans Ideen - eine offizielle Untersuchung der Kriegspropaganda, staatliche Gesundheitsversicherung für alle, eheähnliche Rechte für Schwule und Lesben - lägen vielleicht demokratischen Parteiaktivisten am Herzen. Der Mainstream-Wähler werde sich abwenden.

Nicht nur Wahltaktik ist im Spiel bei diesem Wettstreit zwischen Herz und Verstand - sondern auch persönlicher Neid. "Die Bewerber alter Schule, vor allem Gephardt und Lieberman, haben in allen Umfragen unter Demokraten an Boden verloren", sagt Garrison Nelson, Politik-Professor in Deans Heimat Vermont, zu SPIEGEL ONLINE. "Nur Dean hat sich beständig verbessert, weil er frischer und aufregender wirkt." Deshalb habe das Establishment keine Wahl - es müsse sich gegen den Störenfried verbünden. Schon jetzt seien Mitarbeiter Kerrys in Vermont unterwegs und "schnüffeln hier herum" - auf der Suche nach irgendeinem unerquicklichen Geheimnis aus Deans Vergangenheit.

In den nächsten Monaten, glauben viele, steht den Demokraten ein veritabler Bandenkrieg bevor - Liebermans und Kerrys erste Attacken seien da noch harmlos. "Es ist ein bisschen wie bei der Mafia", zitiert "Time" den Strategen eines Dean-Rivalen. Keine Familie wolle als erste losschlagen, "keine will das Blut in ihr Haus bringen". Aber losschlagen würden sie bestimmt. Larry Sabato, renommierter Politologe an der University of Virginia, sieht das ähnlich. "Ich weiß sicher, dass die Senatoren Edwards und Kerry Dean auch persönlich absolut nicht ausstehen können", sagt er.

Ein unschuldiges Opfer wäre Dean kaum - er hat den Gegenangriff mit beharrlichen Lästereien provoziert. "Wir können George Bush nicht schlagen, wenn wir versuchen, wie er zu sein", lautet eine seiner höflicheren Losungen.

85.000 versus 9000

Deutlicher wird ein TV-Spot, der jüngst im wichtigen Vorwahlstaat Iowa lief. "Hallo, ich bin Howard Dean. Es ist Zeit für die Wahrheit", sagt der Mann, der sich vor einem Traktor postiert hat. Und später: "Viele Demokraten in Washington haben Angst, für ihre Ideale gerade zu stehen." Bei einem Bewerber-Schaulaufen stellte sich Dean als Kandidat des "demokratischen Flügels der demokratischen Partei" vor. Zu viel des Hohns für Lieberman oder Kerry, die im Kongress wohl eher aus Taktik denn Überzeugung für Bushs Kriegsresolution stimmten.

Noch sei völlig offen, wie eine Schlammschlacht "Alle gegen Howard" ausgehen würde, sagen die Politologen. Garrison Nelson aus Vermont glaubt, dass Gephardt, Kerry und Co. alles tun werden, um "Dean so zu provozieren, dass er in die Luft geht". Ihre Chancen stünden nicht schlecht. "Deans Sicherung brennt ziemlich schnell durch - auch mich hat er einmal angebrüllt." Ein einziger Verbal-Ausrutscher vor TV-Kameras könnte reichen, Dean aus dem Rennen zu katapultieren.

"Macht Dean keinen Fehler, könnte ihm die Verschwörung des Establishments helfen", prophezeit dagegen Sabato. Deans Anhänger würden zusammenrücken, noch energischer kämpfen. Und Bewunderer hat der streitbare Doktor zuhauf: Im zweiten Quartal hat kein Demokrat mehr Spenden gesammelt als er, viele kleine stammen von Privatleuten. Weit geschickter als seine Nebenbuhler nutzt Dean das Internet, um Aktivisten zu vereinen. Bei Meetup.com, wo sich sonst Pokerspieler oder Manga-Leser verabreden, sind 85.100 Dean-Fans registriert. John Kerry als Nächstbester kommt auf unter 9000.

Am Anfang der Woche, vor dem Bewerber-Wettstreit in Philadelphia, hat es Dean wieder geschafft: Er ließ seine Rivalen erblassen. Kurz vor Beginn der Debatte hatte er, nur einen Block entfernt, Gefolgsleute mit einer Anti-Bush-Rede beschworen. 3000 waren gekommen - erstaunlich viele für eine so frühe Phase des Wahlkampfs.

Als in der Halle die Diskussion beginnt, schreiben Zeugen, sind sie von der Straße her noch immer zu hören: Die Schlachtrufe derer, die keinen anderen wollen als "People-Powered Howard".


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

Tapeworm Offline

Nationalspieler


Beiträge: 477

14.08.2003 17:01
#12 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

Dazu passend ein Bericht über Dean auf Telepolis
klick

Die kuscheligste Präsidentschafts-Kampagne

Janko Röttgers 23.07.2003
Howard Dean gewinnt das Internet für sich - doch reicht das, um das Weiße Haus einzunehmen?

In den USA hat der Wahlkampf ums Weiße Haus begonnen. Im ersten Wahlgang Anfang nächsten Jahres müssen sich zunächst die für die Demokraten registrierten Wähler entscheiden, wen sie gegen Bush antreten lassen wollen. Am meisten Schlagzeilen macht der ehemalige Gouverneur von Vermont Howard Dean mit seiner Internet-Kampagne.

Howard Dean kann derzeit einen Erfolg nach dem anderen für sich verbuchen. Die Umfragen sehen ihn als Kandidaten mit den größten Zuwachsraten. Er sammelte im zweiten Quartal mehr Spenden als jeder seiner Mitbewerber. Und er dominiert die Schlagzeilen, wann immer es um innovativen Wahlkampf geht. Grund dafür ist nicht zuletzt, dass seine Kampagne das Internet weit kreativer einsetzt als seine Konkurrenten. So haben sich mehr als 63.000 Unterstützer über die Online-Plattform Meetup.com zu monatlich stattfindenden Dean-Stammtischen zusammengeschlossen. Gegen Ende der Woche registrierte sich zudem der 200.000ste Sympathisant auf Deans Website.


Im Zentrum der Kampagne steht jedoch das Weblog Blogforamerica.com. Dort posten Deans Mitarbeiter täglich in Blog-typischer Manier kurze Beiträge zum aktuellen Stand der Kampagne, verlinken Artikel aus der Tagespresse und erzählen anekdotenhaft von den letzten Wahlkampfauftritten. Hin und wieder postet Dean auch persönlich. Die Leser kommentieren die Beiträge fleißig und nutzen das Blog auch für eigene Diskussionen und Anregungen. Gerade diese Offenheit und der unkonventionelle Stil scheinen anzukommen. Einer der Leser meinte dazu kürzlich: "Dies ist mit Abstand die kuscheligste Präsidentschaftskampagne, die ich je gesehen habe."


Von Newcomern und alten Hasen


"Viele Leute, die zu unserer Site kommen, haben zuvor noch nie von einem Blog gehört", erklärt dazu Mathew Gross als Leiter der Internet-Kampagne. Mittlerweile hätten einige dieser Newcomer sogar bereits eigene Blogs zur Unterstützung Howard Deans gegründet. Insgesamt gibt es nach Angaben von Gross mehr als 60 solcher inoffizieller Dean-Blogs. "Blog-Autoren stellen für uns eine wichtige Wählerschaft dar", so Gross gegenüber Telepolis.

Sympathien für Dean entwickelt auch die klassischen Weblog-Gemeinde. So lud der netzbekannte Blogger und Copyright-Experte Lawrence Lessig den Kandidaten vergangene Woche ein, sich für ein paar Tage als Gast-Blogger auf Lessig.org auszutoben. Lessigs Leser waren allerdings zunächst skeptisch. Seth Finkelstein glaubte sogar, es bei Deans Beiträgen mit den Erzeugnissen eines automatisierten Skripts zu tun zu haben. Andere erwarteten offenbar, der Kandidat würde mit ihnen detailliert über verfassungswidrige Aspekte des Digital Millenium Copyright Acts (DMCA) diskutieren.

Doch anstatt Weisheiten über den Stand der Informationsgesellschaft zu verkünden, stellte Dean lieber Fragen. So wollte er von Lessigs Stammpublikum wissen, was genau sie an der herrschenden Copyright-Gesetzgebung zu bemängeln haben. Einige Leser ließen darauf tatsächlich einmal ihr Slashdot-Gehabe beiseite und bemühten Beispiele, die auch ein Politiker versteht - wie etwa die elektronischen Wahlmaschinen ( Das Problem mit den elektronischen Wahlsystemen und der amerikanischen Demokratie), deren Mängel dank des DMCA niemand genauer untersuchen darf.


Eine Kampagne nur für Weiße?


Howard Dean interessierte sich außerdem dafür, ob Lessigs Leser in Wifi-Technologie eine Möglichkeit sahen, die digitale Spaltung zu überwinden. Diese könnte für Dean selbst zum Problem werden. Seine Internet-gestützte Kampagne erreicht hauptsächlich den weißen Mittelstand. Nach Angaben des US-Finanzministeriums sind rund 60 Prozent aller weißen US-Amerikaner online, doch nur etwa 32 Prozent aller Latinos und 40 Prozent aller Schwarzen. Zudem kommt Dean aus einem der weißesten aller US-Bundesstaaten. Das Problem hat man mittlerweile auch bei Deans Kampagnenleitung erkannt. Erste Versuche, wenigstens die bereits im Netz aktive Latino-Community gezielter anzusprechen, stecken allerdings noch in den Kinderschuhen.

Immerhin kann Dean für sich verbuchen, mit seiner Internet-Kampagne Maßstäbe zu setzen. Mittlerweile rüsten auch die bisher sehr statischen Online-Präsenzen seiner demokratischen Konkurrenten nach. So haben sich Joe Lieberman und Dennis Kucinich Tagebücher für ihre Web-Präsenz basteln lassen. An Blogforamerica.com können sich die Angebote jedoch nicht messen - Kucinich fehlen die Besucher, Lieberman die Möglichkeiten zur Interaktion. Professionelle Blogger beschäftigen sie zudem beide nicht, weshalb es nur alle paar Tage mal einen neuen Eintrag gibt. Schließlich haben auch Deans Konkurrenten und sogar George W. Bush die Meetup.com-Plattform für sich entdeckt. Doch Deans Supporter bilden dort mit Abstand die größte Gruppe. Bushs Stammtische sollen sogar regelrecht gefloppt sein.

Vielleicht lassen sich etablierte Positionen auch einfach nicht so gut im Rahmen einer Graswurzel-Kampagne vermarkten. Dean profiliert sich dagegen auch politisch als Außenseiter. Er stimmte gegen den Irak-Krieg und wird nicht müde, seine eigene Partei für ihre Regierungstreue während der vergangenen Monate zu kritisieren. Ein unkonventioneller Kampagnenstil, der viele Entscheidungen einer autonom agierenden Basis von sich übers Netz organisierenden Anhängern überlässt, passt da gut zum Image des Rebellen, der sich auf seiner Website bereits als "People-powered Howard" feiern lässt.

Dean hat bereits angedeutet, nach einem möglichen Wahlsieg über George W. Bush Elemente aus seiner Kampagne in die offizielle Regierungspolitik übernehmen zu wollen. So erklärte er auf die Frage eines Lessig-Lesers, ob es denn mit ihm als Präsidenten auch ein Blog.whitehouse.gov geben würde, prompt: "Warum nicht?"


sowie als darauf folgender Artikel: klick
Auch Kucinich darf mal bloggen

Janko Röttgers 09.08.2003
Der Aufstieg des US-Präsidentschatfskandidaten Howard Dean zeigt Folgen bei seinen Konkurrenten

Lawrence Lessig braucht mal wieder eine Pause. Sein neues Buch muss fertig gestellt werden. Also nimmt der Copyright-Experte eine Woche Urlaub vom Netz. Damit den Lesern seines Weblogs nicht langweilig wird, hat der den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Dennis Kucinich als Gast-Blogger eingeladen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass Lessig sein Blog einem Präsidentschaftskandidaten überlässt. Vor drei Wochen durfte der ehemalige Vermonter Gouverneur Howard Dean als Urlaubsvertretung einspringen ( Die kuscheligste Präsidentschafts-Kampagne, siehe oben). Im Nachhinein musste sich Lessig dafür einige Kritik gefallen lassen. Nicht wenige Blog-Leser warfen ihm vor, Dean habe sich nicht auf einen Dialog mit ihnen eingelassen und nicht zu Copyright-Fragen Stellung genommen. Lessig zeigte sich dagegen überzeugt davon, dass sein Experiment gelungen sei und erklärte: "Jeder ernsthafte Kandidat sollte Zeit mit einem so offenen, egalitären Forum verbringen wie diesem."

Mit Kucinich hat sich Lessig nun abermals einen linksliberalen Kandidaten als Gast-Blogger ausgesucht. Kucinichs Chancen aufs Weiße Haus werden insgesamt als eher gering eingeschätzt. Der Kongressabgeordnete gilt als linker Demokrat und ist ein erklärter Kriegsgegner. Anders als Dean ist es ihm jedoch nicht gelungen, sich in den letzten Wochen als Protestkandidat zu profilieren. Die geringere Gefolgschaft macht es Kucinich jedoch auch einfacher, vermeintlich heiße Eisen anzufassen. So hat er sich offensiv für die Homosexuellen-Ehe ausgesprochen - ein Thema, dass die anderen führenden demokratischen Kandidaten tunlichst vermeiden. In die Kritik ist er durch seine Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen gekommen. Kucinich galt lange als entschiedener Abtreibungsgegner, hat diese Position im Zuge seiner Präsidentschaftskandidatur jedoch aufgegeben. Den plötzlichen Sinneswandel wollen ihm weder konservative noch liberale Demokraten so recht abnehmen.

Howard Dean wiederum kann dank seiner Internetkampagne weiterhin Erfolge verzeichnen. Kürzlich hatte US-Vizepräsident Dick Cheney einflussreiche Bush-Unterstützer zu einer Lunch-Party eingeladen, um insgesamt 250 000 Dollar an Spenden entgegenzunehmen. Deans Team rief die Leser seines Blogs auf, mit eigenen Spenden zu zeigen, dass ihre Graswurzel-Kampagne mächtiger ist als Cheneys wohlbetuchte Förderer. Innerhalb von drei Tagen spendeten Dean-Unterstützer daraufhin mehr als eine halbe Millionen Dollar. Solche plakativen Aktionen kommen an und verschaffen Dean und seiner Internetkampagne eine geballte Medienaufmerksamkeit. So widmeten die Zeitschriften Time Magazine und Newsweek in der vergangenen Woche beide ihr Titelbild dem Kandidaten.


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mick Offline

Alteuropäer


Beiträge: 1.783

19.08.2003 12:35
#13 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

DER SPIEGEL 34/2003 - 18. August 2003
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Eine Meldung und ihre Geschichte

Die üblichen Verdächtigen

Drei Nonnen wurden im Namen der Nächstenliebe kriminell.




Es war an einem Sonntag, als sich Carol Gilbert, Ardeth Platte und Jackie Marie Hudson, Schwestern im Orden des heiligen Dominikus, daranmachten, die Vereinigten Staaten von Amerika anzugreifen. Wieder einmal.

Sie waren mit einem Wagen im Nordosten Colorados unterwegs, zwischen den Hügeln des Weld County, und als das Ziel vor ihnen auftauchte, versicherten sie sich noch einmal, dass sie nichts vergessen hatten. Der Bolzenschneider war da, der Hammer, die Plastikflaschen mit ihrem Blut. Es konnte losgehen. Vor ihnen erhob sich ein Zaun. Sie schnitten ein Loch hinein.

Auf der anderen Seite des Zauns lagerten Interkontinentalraketen, sicher verwahrt in ihren Silos, jede bestückt mit einem Nuklearsprengkopf. Die Raketen gehören zum Typ "Minuteman III". Nordkorea erreichen sie in weniger als einer Stunde.

Gilbert, Platte und Hudson ließen den Zaun hinter sich und gingen auf ein Silo zu. Außer ihnen war niemand zu sehen. Kein Wachmann, kein Wachhund. Gilbert, Platte und Hudson holten ihren Hammer heraus, einen Haushaltshammer, mit dem man normalerweise Nägel in die Wand schlägt, und jede klopfte ein bisschen auf dem Deckel herum, der die Raketen vor Angriffen schützt und 110 Tonnen wiegt. Auch wenn der Hammer leicht war, es war anstrengend, und so wechselten sie sich ab, sie waren nicht mehr die Jüngsten. Gilbert zählte 54 Jahre, Platte 65, Hudson 67.





Dann öffneten sie die Flaschen mit ihrem Blut, malten ein paar Kreuze auf den Deckel, sangen, beteten und warteten, dass sie verhaftet wurden von der Militärpolizei. Es war ein symbolischer Angriff, es war ziviler Ungehorsam.

Nach ihrer Verhaftung sagten Gilbert, Platte und Hudson, sie seien im Auftrag Gottes unterwegs. Atomraketen seien Waffen des Bösen, und ihr Eindringen sei ein Akt der Nächstenliebe, kein Verbrechen.

Staatsanwalt Robert Brown in Denver sah das anders. Er klagte sie an wegen "Gefährdung der nationalen Sicherheit" und "Sachbeschädigung". Er wollte die drei Nonnen für mindestens sechs Jahre hinter Gitter stecken. Für ihn sind sie Kriminelle, und, was schlimmer ist, sie sind Überzeugungstäter, Wiederholungstäter.

Vor drei Jahren drangen sie ein in die Peterson-Air-Force-Base in Colorado Springs, schlugen mit einem Hammer auf den Reifen eines Jets und malten blutige Kreuze auf die Hülle des Flugzeugs. Nach zehn Tagen Haft kamen sie wieder frei.

In diesem Prozess ist Walter Gerash einer der Verteidiger, ein Anwalt, der gern spektakuläre Fälle übernimmt, weil das Spektakel Medien anzieht und deren Berichte neue Kunden, neues Geld. Gerash, ein amerikanischer Rolf Bossi, verteidigte schon die "Black Panther", den Country-Sänger John Denver, nachdem der besoffen Auto gefahren war, und Carl Kabat, der in den USA berühmt ist, weil er länger als jeder andere US-Friedensaktivist im Gefängnis saß.

Das spricht nicht unbedingt für die juristischen Fähigkeiten Gerashs, aber er ist die richtige Wahl, wenn man wie Gilbert, Platte und Hudson sowieso keinen Freispruch erwartet, sondern Medieninteresse will, und wenn man vorhat, den Gerichtssaal in eine Bühne für das eigene Anliegen zu verwandeln.

Als der Prozess beginnt, steht Gerash auf und erinnert an andere Akte des zivilen Ungehorsams, die von der Geschichte geadelt wurden. Zum Beispiel die Boston Tea Party, mit der der Unabhängigkeitskampf der Amerikaner begann. Der Kampf der amerikanischen Frauen um mehr Rechte zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Der Kampf der Schwarzen.

Richter Robert Blackburn thront regungslos hinter seinem Richtertisch. Er ist nicht beeindruckt.

Gerash versucht sich zu steigern, aber er hat keine Argumente mehr, nennt Gilbert, Platte und Hudson "Engel im Kampf um mehr Menschlichkeit", weint dann ein bisschen, und jemand aus dem Publikum ruft: "Du sollst nicht töten." Richter Blackburn, bibelfest und ein Freund des wehrhaften Staates, kontert mit einem Zitat des Apostel Paulus: "Jedermann sei untertan der Obrigkeit."

Er verurteilt Gilbert, Platte und Hudson wegen Beschädigung von Regierungseigentum zu 33, 41 und 30 Monaten Haft. Außerdem haben sie 3080,04 Dollar zu zahlen, für die Beseitigung ihres Bluts vom Deckel des Silos.

Richter Blackburn stellt den drei Nonnen frei, bis zum Antritt der Haft in Freiheit zu bleiben. Das lehnen sie ab, wie sie die Kaution abgelehnt hatten, die ihnen die siebenmonatige Untersuchungshaft erspart hätte. Gilbert, Platte und Hudson wollen makellose Opfer sein, Märtyrerinnen, frei von jeder Kollaboration mit dem Staat.

Heute sitzen die drei Nonnen im Gefängnis, sie sind berühmt, über die Höhe der Haftstrafe wird viel diskutiert, über ihre Forderung nach Abrüstung nicht.

Der Verteidiger Gerash arbeitet an einer Wiederaufnahme des Verfahrens, natürlich, und in amerikanischen Zeitungen ist zu lesen, dass Richter Blackburn, der nun auch bekannt ist in Amerika, das Verhalten der drei Nonnen "gefährlich verantwortungslos" nennt. Über die Leute, die für die Sicherung der Interkontinentalraketen zuständig sind, hat das Gericht nicht geurteilt.

Während des Prozesses wurde bekannt, wie lange die drei Nonnen, die drei Einbrecher, die Staatsfeinde, die Terroristen Gottes, auf dem Deckel des Atomwaffensilos warten mussten, bis sie endlich entdeckt und verhaftet wurden.

Es waren 45 Minuten.

UWE BUSE


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

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22.08.2003 15:58
#14 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

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Seltsame Steuern

Kaffeesatzleserei in Seattle

Von Carsten Matthäus

In Seattle wird gerade hitzig darüber diskutiert, eine bestimmte Zubereitungsart von Kaffee zu besteuern, um bedürftigen Kindern zu helfen. In Deutschland sollte man darüber allerdings nicht zu laut lachen.


Irgendwann im Jahre 1901 hatte der Mailänder Luigi Bezzera die geniale Idee. Er versah einen Boiler mit vier Ausgängen, über die kochend heißes Wasser durch gepressten Kaffee gedrückt werden konnte. Weil mit solchen Maschinen bis zu 150 Tassen frischen pro Stunde gebrüht werden konnten, nannte man den Kaffee "Espresso".

Die Italiener kapierten schnell, dass Kaffee einfach besser schmeckt, wenn er mit nicht ganz kochendem Wasser (rund 90 Grad) und unter hohem Druck (mindestens neun bar) in weniger als 30 Sekunden durchläuft. Andere Länder brauchten für diese Erkenntnis ein wenig länger. In Deutschland bestand der "Kapputschino" noch bis in die späten Achtziger Jahre in der Regel aus einer Tasse Filterkaffee, einer Sahnehaube und Schokostreuseln. In den USA löst man sich erst von dem entsetzlichen Gesöff namens American Ground Coffee, seit die Kaffeehauskette Starbucks aus dem Heißgetränk ein Szene-Erlebnis gemacht hat.

Die Freude an "Double Latte" und "Moccachino" ist auch John Burbank, dem Chef des Economic Opportunity Institutes in Seattle, aufgefallen. Er will nun dafür sorgen, dass jedes dieser neuartigen Getränke mit 10 Cent pro Tasse, Becher oder Glas besteuert wird. Wer schon rund drei Dollar für so einen Designer-Kaffee bezahle, dem mache auch die Steuer nichts aus. Die Einnahmen, die der Ökonom auf rund sieben Millionen Dollar pro Jahr schätzt, könnten dann in die Früherziehung sozial benachteiligter Kinder gesteckt werden. Für das Projekt hat Burbank bereits rund 100.000 Dollar an Spenden gesammelt, bei einer Umfrage Anfang des Jahres sprachen sich 74 Prozent der Befragten für die "Latte Tax" aus.

Das Seltsame an dieser Steuer ist allerdings, dass sie eben nur dann fällig wird, wenn der Kaffee tatsächlich nach der Espresso-Methode zubereitet und verkauft wird. Der grauslige amerikanische Filterkaffee soll dem Vorschlag zufolge weiter unversteuert über den Tresen gehen. Burbank hält gerade das für eine gute Idee: "Sie müssen die Steuer nicht zahlen, wenn Sie nicht wollen", sagt er dem "Seattle Post-Intelligencer", "Es ist Ihre Wahl. Sie können einen Filterkaffee kaufen und sie können ihren eigenen Espresso-Drink zu Hause zubereiten".

Angesichts solcher Arroganz gegenüber der städtischen Kafeehauskultur - die Bevölkerung verbraucht vorsichtigen Schätzungen zufolge täglich rund 200.000 Portionen Espresso - formiert sich Widerstand. "So etwas kann doch nicht verfassungsmäßig sein", empört sich beispielsweise Bildhauerin Susan Balshor. Mit ihr sind natürlich auch die Kaffehaus-Betreiber auf die Barrikaden gegangen, die schon rund 70.000 Dollar gesammelt haben, um den Gesetzesentwurf noch zu stoppen.

In Deutschland haben Kaffeetrinker nicht einmal die Möglichkeit, über die Art der Zubereitung Steuern zu sparen. Sie zahlen bei jeder Tasse Kaffee zusätzlich zur Merwertsteuer noch eine Kaffesteuer. Diese liegt bei 2,19 Euro pro Kilo Röstkaffee und bei 4,78 Euro pro Kilo löslichem Kaffee. Der deutsche Fiskus erzielt allein mit dieser Kaffee-Abgabe pro Jahr rund eine Milliarde Euro an Einnahmen.


gruß, mick (bekennender alteuropäer)

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25.08.2003 17:37
#15 RE:Mal wieder was aus dem Land der unbegrenzten Moeglichkeiten Antworten

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Uralt-Kraftwerke in USA sollen größer werden - aber nicht sauberer

Bush-Regierung plant Aufweichung von Luftreinhaltungsgesetz / Umstrittene Meiler stoßen Riesenmengen Schadstoffe aus

Die Bush-Regierung will das Luftreinhaltungsgesetz der USA entscheidend aufweichen. Rund 17 000 Uralt-Kraftwerke und Fabriken sollen künftig noch mehr Schadstoffe in die Luft pusten dürfen, ohne moderne Filteranlagen installieren zu müssen.

Von Dietmar Ostermann

WASHINGTON, 24. August. So gemütlich das Wort "Großvaterklausel" klingt: Bei dem 1977 vom Kongress verabschiedeten Zusatz zum Clean Air Act, dem US-Luftreinhaltungsgesetz, ging es um ungemütliche Dinge. Während neue Kraftwerke in den USA seither vergleichsweise strengen Umweltstandards unterliegen, wurden vor 1970 gebaute Anlagen davon ausgenommen. Erst wenn in den Alt-Kraftwerken etwa die Kapazität und damit der Ausstoß an Schadstoffen erweitert werden, sollten auch hier die Vorgaben des Gesetzes greifen. Diese Klausel sollte den Betreibern älterer, meist mit Kohle befeuerter Kraftwerke Zeit für die teure Nachrüstung mit modernen Filtern geben.

Über ein Vierteljahrhundert später freilich schloten die Alt-Kraftwerke meist weiter ungefiltert vor sich hin. Und noch immer klagen die Betreiber der längst abgeschriebenen Anlagen, eine Nachrüstung auf die in Neukraftwerken seit Jahrzehnten geltenden Emissions-Standards werde sie finanziell ruinieren.

Nach Ansicht von US-Umweltgruppen ist die "Großvaterklausel" von 1977 längst ein Anachronismus. Und ein mehr als ärgerliches Schlupfloch, das die Rolle der USA als weltweit größtem Produzenten von Treibhausgasen zementiert. Denn noch immer werden rund die Hälfte der bei der US-Stromerzeugung freigesetzten Schadstoffe wie Kohlendioxid in den umstrittenen Uralt-Anlagen produziert.

Nachdem die Regierung von Bill Clinton in den 90er Jahren die Betreiber der größten "Dreckschleudern" auf dem Gerichtsweg zur Modernisierung der Altanlagen zwingen wollte, war der Umgang mit den "Großvätern" in der Bush-Administration lange umstritten. Eine von Vizepräsident Dick Cheney geleitete Energie-Task-Force hatte 2001 angeordnet, die unter Clinton angestrengten Klagen zu überprüfen. Laut New York Times sperrte sich die damalige Umweltministerin Christie Whitman aber gegen einen Kurswechsel, und das Justizministerium führte die Verfahren fort - mit Erfolg: Anfang August wurde in Ohio erstmals ein Kraftwerksbetreiber, der heimlich erweitert hatte, zur Filter-Nachrüstung verurteilt.

Doch was Öko-Verbände eben noch als wichtigen Sieg über die schlotenden "Großväter" feierten, könnte sich nun ins Gegenteil verkehren. Keine drei Wochen jedenfalls nach dem Gerichtsurteil plant das Weiße Haus laut der Umweltorganisation Natural Resources Defense Council (NRDC) eine dramatische Kehrtwende. Laut einem dem NRDC vorliegenden Entwurf für eine Verordnung des Umweltministeriums soll die "Großvaterklausel" entscheidend aufgeweicht werden. Künftig müssten die Betreiber demnach das Luftreinhaltungsgesetz auch dann nicht fürchten, wenn sie ihre Altanlagen erweitern. Voraussetzung sei, dass nicht mehr als ein Fünftel des Wertes der gesamten Anlage gleichzeitig investiert werde.

Der NRDC sieht darin einen "Buchungstrick", der es den Betreibern ermögliche, "Großväter"-Kraftwerke künftig stufenweise auszubauen, ohne Filter installieren zu müssen. Der NRDC wirft der Regierung vor, sich damit für Wahlkampfspenden der Kraftwerksbetreiber zu revanchieren. US-Medien zufolge will das Umweltministerium die neue Verordnung diese Woche veröffentlichen. Der Generalstaatsanwalt von New York, Eliot Spitzer, kündigte eine Klage seines Bundesstaates an.

gruß, mick (bekennender alteuropäer)

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